"Röntgen kritisch betrachtet"

Buch-Tipp: Keine Angst vor Strahlen von I.Maresch

Karl-Heinz Szeifert 23 May, 2019 00:00

Es wird zu viel geröntgt. Ob aufgrund der Unwissenheit von Ärzten, ärztlichen Absicherungstendenzen oder von wirtschaftlichen Interessen geprägt, es werden zu viele nutzlose und überflüssige Röntgenuntersuchungen gemacht.

So die Einleitung des Buches der Innsbrucker Ärztin für Allgemeinmedizin und Fachärztin für Radiologie Frau Dr. med Irene Maresch mit dem Titel: "Keine Angst vor Strahlen?" über Gesundheitliche Riskien von Röntgenuntersuchungen.

Der Autorin, die auf eine langjährige Tätigkeit u.a. Lehrtätigkeit und Wissenschaft an der Universität Innsbruck, sowie im niedergelassenen Bereich zurückblicken kann, gelang hier ein sehr übersichtliches Fachbuch - auch für Laien verständlich geschrieben, das uns nicht nur über die Vorteile der modernen Diagnostik, sondern auch über die Risiken aufklärt.

So liest man schon in ihrer Buchbeschreibung:

Allein der Patient trägt aber das Risiko an Krebs zu erkranken. In diesem Buch versucht die Autorin Informationen über die Wirkung der Röntgenstrahlung auf den Organismus sowie über den Nutzen und das gesundheitliche Risiko von Röntgenuntersuchungen sachlich und vor allem auch für Laien verständlich darzustellen. Verschiedene häufig verordnete Röntgenunter­suchungen und ihre Strahlenbelastung sowie ihre häufigsten Indikationen werden beschrieben. Themen wie Mammografie-Screening oder Röntgen bei Kindern werden aufgrund ihrer Aktualität ausführlicher behandelt und diskutiert. Diese Informationen sollen einen kritischeren Umgang mit Röntgenuntersuchungen bewirken und vor allem Patienten dazu dienen, allzu sorglos verordnete Röntgenuntersuchungen zu hinterfragen.
Ergänzend dazu findet der Leser im Buch auch die betreffenden Passagen aus der Medizinischen Strahlenschutzverordnung - und zieht das Fazit: Der Gesetzgeber hat zum Schutz der Gesundheit alles Notwendige geregelt. Worauf es jedoch ankommt, ist - wie so oft - ein durch Wissen fundierter kritischer Umgang mit Technologie, sowohl aufseiten des Spezialisten (Arzt) als auch aufseiten des Laien (Patient)
. Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu.

Nachstehend zwei kurze Leseproben aus dem Buch:

Strahlenbelastung von CT Untersuchungen
Die CT wird heute von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Die relativ hohe Strahlenbelastung wird dabei offenbar ignoriert bzw. systematisch unterschätzt. Dies zeigt sich auch an der wieder aufgeflammten Diskussion die CT bei Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen. Schon vor Jahren wurde diese CT Vorsorgeuntersuchung, das sogenannte “Managerscreening” in Amerika auf Grund des Anstiegs der Strahlenbelastung der Bevölkerung wieder abgeschafft bzw. verboten. Wenn man alleine bedenkt, dass das Brustgewebe wie auch die Lunge zu den strahlenempfindlichen Geweben zählen ist dies wohl verständlich.
Die Strahlenbelastung einer CT-Untersuchung beträgt in vielen Fällen das Hundertfache einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme. Bei allen Vorteilen die eine CT bietet (brillante Bilder, schnelle Ergebnisse usw.) wird häufig übersehen, dass ihr inflationärer Einsatz die Strahlenbelastung der Bevölkerung und somit das Krebsrisiko deutlich erhöht. Vor allem bei Kindern und jungen Menschen, die
besonders strahlenempfindlich sind, ist die leichtfertige Anordnung von CT-Untersuchungen nur schwer zu verstehen. Ich möchte die Computertomografie keineswegs verteufeln, denn sie ist zweifellos ein hochwertiges Diagnose-Instrument und in vielen Bereichen kaum zu ersetzen. Jedoch ist es notwendig vermehrt auf die Risiken des häufigen CT-Einsatzes hinzuweisen.

Wie die im Buch “Keine Angst vor Strahlen? Gesundheitliche Risiken von Röntgenuntersuchungen” (Kap. Strahlenbelastung und Strahlenrisiko) angeführte Studie der Ruhr-Universität Bochum zeigt, ist die Unwissenheit eines Großteils der Ärzte bzgl. der Strahlenbelastung durch CT-Untersuchungen für den leichtfertigen Umgang mit dieser Methode mitverantwortlich.
Für viele Fragestellungen gibt es alternative Schnittbildverfahren ohne ionisierende Strahlung wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder die Sonografie (Ultraschall). So sind u.a. Beschwerden der Bandscheiben, der Wirbelsäule und der Gelenke aber auch andere Abklärungen vor allem bei Kindern und jungen Menschen in den meisten Fällen heute keine Indikation mehr für eine strahlenbelastende CT-Untersuchung.
Die deutsche Strahlenschutzkommission hat 2006 eine äußerst restriktive Anwendung von CT-Untersuchungen bei Kindern empfohlen.

Röntgen bei Kindern

Im Gegensatz zu Erwachsenen sind Kinder besonders strahlenempfindlich u. haben ein höheres Strahlenrisiko. Es ist daher eine besonders sorgfältige Risiko- Nutzen-Abwägung von Röntgenuntersuchungen bei Kindern und jungen Menschen erforderlich. Was macht den Unterschied zwischen Kindern und älteren Erwachsenen aus?
1) Kindliches Gewebe weist auf Grund des Wachstums eine hohe Teilungsrate der Körperzellen auf. Beim Erwachsenen sind nur noch die Gewebe stärker gefährdet, die lebenslang einer hohen Zellteilung unterliegen.
2) Gewebe von Kindern u. jungen Menschen haben einen höheren Wasseranteil. Das bedeutet bei Strahleneinwirkung eine vermehrte Bildung von Hydroxyl Radikalen. Diese freien Radikale wirken in Körperzellen als intensive Zellgifte. Auf Grund des höheren Wassergehaltes wird die Strahlung auch stärker absorbiert u. gestreut, sodass eine höhere Strahlendosis bei Kindern benötigt wird.
3) Unterschiedliche Anatomie und Proportionen beim Kind ggüber dem Erwachsenen. Geringere Körpergröße, daher ist der Körper eines Säuglings gedrungener als beim Erwachsenen. Bei einer Röntgenaufnahme liegen daher beim Kind besonders strahlenempfindliche Organe u. größere Körperabschnitte zwangsläufig innerhalb des Strahlenfeldes oder benachbart und sind auch von der Streustrahlung stärker betroffen. (Z.B. Beim Lungenröntgen sind dies die Schilddrüse u. die Ovarien)
4) Die Verteilung des besonders strahlenempfindlichen blutbildenden Knochenmarkes sind sehr unterschiedlich. Beim Säugling liegen in allen Körperbereichen, auch in den Extremitäten und im Schädelknochen große Anteile von blutbildenden Knochenmark (KM). Z.B. beträgt beim Säugling der Anteil von blutbildendem KM in der Schädeldecke 27% u. i.d. Extremitäten 35%, beim Erwachsenen hingegen in der Schädeldecke nur noch 8% und in den Extremitäten nur noch 9%.
Bei einer Röntgenuntersuchung sind daher beim Kind in allen Körperbereichen große Anteile von besonders strahlenempfindlichen Gewebe wie dem blutbildenden KM von der Strahlenbelastung betroffen. Daher besteht im Kindesalter im Vergleich zum Erwachsenen ein deutlich erhöhtes Risiko, infolge von Bestrahlung einen Strahlenschaden wie z.B. Leukämie, davonzutragen.

Zusammenfassung: Ein auch für den Laien verständlich geschriebenes Buch über Röntgen, angewandten Strahlenschutz in der Medizin und Minimierung des Strahlenrisikos, das uns nicht nur über die Vorteile der modernen Diagnostik sondern auch über die Risiken aufklärt.

Bezugshinweis: Das Werk ist als Taschenbuch erschienen. Es hat 101 Seiten und ist im Buchhandel sowie online zum Beispiel über Amazon usw. für 14,90 € erhältlich. ISBN: 9783864603211.

Das Urteil von MTA-R.de: Sehr empfehlenswert.

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Kommentare

Menschenrechtler vor 1 Jahr

Die angepriesene Computertomografie ist so gefährlich wie eine Atombombe ... und das scheint als zumutbar zu gelten.
Mit der Computertomografie bekommt man schon bei einmaliger Anwendung eine Strahlendosis verpasst, die entspricht der 100- bis 1000-fachen Strahlendosis des konventionellen Röntgens, vgl. z.B. http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2007/msg00110.htm oder der Strahlung, die Atombomben-Opfer erhielten, die sich 1945 etwa 3,2 Kilometer entfernt vom Zentrum der Detonationen aufhielten, vgl. z.B. https://www.welt.de/wissenschaft/article1667375/Experten-warnen-vor-Computertomografie.html. Nach dem Urteil des BGH, 03.12.1997 2 StR 397/97 kann ein um 100-faches herkömmliches Röntgen über einen Zeitraum von ca. 10 Jahren eine gefährliche strafbare Körperverletzung darstellen.
Da bereits ein 100-faches herkömmliches Röntgen gefährliche Körperverletzung sein kann, stellt bereits nur eine Computertomografie eine gefährliche Körperverletzung dar. Mein demenzkranker Vater erhielt 9 unnütze Cts des Hirnschädels, also 9mal Atombombenstrahlung, ohne dass ich als Betreuer von einem Arzt informiert bzw. um Erlaubnis gebeten wurde. Nach einem Handgelenkbruch und ohne weitere Beschwerden (laut von 3 Ärzten unterschriebenen Krankenhausbericht) musste ich mir u.a. eine Computertomografie von Kopf und Hals von der Röntgenassistentin und Krankenschwestern aufschwatzen lassen. Habe mir die CD schicken lassen. Die Röntgenassistentin hatte darin wahrheitswidrig angegeben "Schädeltrauma". Eine Strafanzeige wurde abgewiesen. Computertomografie scheint aus Profitgründen dem herkömmlichen Röntgen oder der Magnetresonanztomografie bevorzugt zu werden. Politik und Justiz vertuschen erfahrungsgemäß Schandtaten des Managements.
Was außerdem das Streben nach Geld, Macht und Bequemlichkeit aus demokratischen Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Verfassung, Grundgesetz usw. machen, kann man im Internet z.B. unter "Unser täglich Gift" und "Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen" finden. Die Haupt-Motivation dürfte die gleiche wie im Dritten Reich sein, nämlich, andere Menschen als minderwertig zu betrachten.
Aber das ist ja wie gehabt völlig normal. Was machen eigentlich unsere Volksvertreter?

Wende vor 1 Monat

Lebensgefährliche Körperverletzungen mit Computertomographien

Entstehung von Krebs:
Die Daten von 10,9 Millionen Menschen aus den Jahren 1985 und 2005 wurden retrospektiv untersucht und die Inzidenz von Krebserkrankungen mit der Anzahl der CT-Untersuchungen verglichen. Die Ergebnisse, kurz zusammengefasst:
• Menschen, die eine CT-Untersuchung über sich ergehen ließen, hatten knapp 10 Jahre nach der Strahlenexposition ein etwa 24% (Konfidenzintervall 20-29%)
höheres Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln als Menschen, die keine CTUntersuchung hatten.
• Die durchschnittliche Strahlendosis einer CT-Untersuchung betrug bei den ausgewerteten Daten etwa 4,5 mSv.
• Alter, Geschlecht oder Geburtsjahr stellten dabei keine signifikanten Konfounder dar.
• Mit jeder weiteren CT-Untersuchung stieg das Risiko einer Krebserkrankung um etwa 16% (Konfidenzintervall 13-19%). Es gibt also eine nachvollziehbare Dosis-Wirkungs-Relation
• Vor allem Menschen, die in jungen Jahren Röntgenstrahlen ausgesetzt waren, hatten ein erhöhtes Krebsrisiko nach Strahlenexposition. Die nach Alter aufgeschlüsselten Risiken betrugen:
• CT Untersuchung im Alter von 1-4 Jahren: 35% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 25-45%)
• CT Untersuchung im Alter von 5-9 Jahren: 25% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 17-34%)
• CT Untersuchung im Alter von 10-14 Jahren: 14% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 6-22%)
• CT Untersuchung im Alter von mehr als 15 Jahren: 24% höheres Krebsrisiko (Konfidenzintervall 14-34%)
• Vor allem Leukämien, Myelodysplasien, Lymphome, solide Tumore des Magendarmtrakts, Melanome, Weichteilsarkome, Tumore des weiblichen Genitaltrakts, urologische Tumore, Hirntumore und Schilddrüsenkrebs zeigten einen signifikanten Anstieg in der strahlenexponierten Bevölkerung. Einige besonders eklatante Beispiele:
• Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Schädels einen Hirntumor zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 144% an
(Konfidenzintervall 112-181%)
• Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Abdomens eine Leukämie zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 224% an
(Konfidenzintervall 117-384%)
• Das Risiko, nach einer CT-Untersuchung des Brustkorbs einen Weichteiltumor zu entwickeln, stieg in der untersuchten Population um 364% an (Konfidenzintervall 74-1140%)
(Quelle: https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Krebs_nach_niedrigen_Strahlendosen.pdf)
Entstehung von Schlaganfällen und anderen Herz- Kreislauferkrankungen:
Zitat aus https://cordis.europa.eu/article/rcn/31402/de (mit dortiger Abbildung eines Computertomographen): „Das Forscherteam am Imperial College London, Vereinigtes Königreich, entwickelte ein Computermodell zur Vorhersage von Herz-Kreislauf-Risiken durch niedrig dosierte Strahlung. Herzerkrankungen und Schlaganfall, die beiden häufigsten Todesursachen in entwickelten Industrieländern, stehen, wie das Modell zeigte, in starkem Zusammenhang mit der empfangenen Strahlendosis."
Entstehung von Alzheimer:
Zitat aus https://www.helmholtz-muenchen.de/aktuelles/uebersicht/pressemitteilungnews/article/36513/index.html: „Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München haben in Kooperation mit Kollegen aus Dänemark, Italien und Japan in der Fachzeitschrift Oncotarget beschrieben, dass Strahlung eine molekulare Änderung im Hypocampus auslöst.“
Bei Mäusen führten schon viel geringere Dosen zu Alzheimer-Symptomen,
Zitat aus: https://netzfrauen.org/2016/10/30/studie-universitaet-sued-daenemark-es-gibt-befuerchtungen-dass-radioaktive-bestrahlungen-zur-entwicklung-von-alzheimer-beitragen-koennen-concern-that-radiation-may-contribute-to-development-of-alzhe/:
"Bei einem Kopf-CT variieren die Dosen zwischen 20 und 100 mGy. Sie dauern ungefähr eine Minute an. Während eines Fluges ist ein Mensch Ionenstrahlung durch das Weltall ausgesetzt, aber diese Dosierung ist viel geringer als die eines CTs.
„Wenn man diese Zahlen miteinander vergleicht, stellt man fest, dass wir die Mäuse mit etwa einem Tausendstel der Dosis behandelten, die ein Patient bei einem einzigen CT bekommt – im selben Zeitintervall. Sogar unter diesen Umständen konnten wir Veränderungen in den Synapsen des Hippocampus sehen, wie es sie bei Alzheimer gibt“."
Mein Kommentar: Falschangabe zu den Dosen! Laut mir vorliegenden CDs waren es nicht 20- 100 mGy, sondern um 1000 mGy pro Computertomographie!
Entstehung des Katarakts (Grauer Star):
Zitat aus https://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/betriebsarzt/Dokumente/ssk0907.pdf:
„Bei Patienten nach computertomographischen Untersuchungen [Kle 93] wurde eine erhöhte Prävalenz an posterioren subkapsulären Katarakten beschrieben mit der Schlussfolgerung, dass bereits Dosen in der Größenordnung von 0,1 - 0,3 Gy kataraktogen sein könnten. Auch in der Untersuchung der radiologischen technischen Assistenten („radiation technologists“) [Cho 08] zeigte sich eine signifikant erhöhte Kataraktinzidenz mit einem Risikofaktor von 1,25 (95 %-KI: 1,06 - 1,47) bei Personen, die aus nicht-beruflichen Gründen > 3 Kopf-/Hals-Röntgenaufnahmen erhalten hatten, gegenüber Personen mit weniger oder keinen Aufnahmen im Schädelbereich.“

Petition z.Zt. unter https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2018/_10/_07/Petition_84560/forum/Beitrag_633591.nc.html