Unterweisungen im Strahlenschutz nach §36 RöV bzw. §38 StrlSchV

kszeifert 1 Oct, 2017 18:26

Die jährlich stattfindende Unterweisung nach ist ein zentraler Bestandteil des Strahlenschutzes und sollte deshalb auch korrekt, regelmäßig und gewissenhaft durchgeführt werden.

Nach Strahlenschutzrecht sind alle Beschäftigten und - soweit zutreffend – sonstige Personen verpflichtet an entsprechenden Unterweisungen teilzunehmen und nach ihren Möglichkeiten sowie gemäß den Unterweisungen des Unternehmens für ihre Sicherheit und Gesundheit bei ihren Tätigkeiten und bei ihrer Anwesenheit in Kontrollbereichen selbst Sorge zu tragen.
Ziel der Unterweisungen ist es, den Beschäftigten die Kenntnis über die Maßnahmen zu vermitteln, die für ihre Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz notwendig sind. Weiterhin sollen die Beschäftigten in die Lage versetzt werden, ihre Rechte und Pflichten aus ArbSchG, RöV und StrlSchV wahrzunehmen bzw. zu befolgen.
Unterweisungen umfassen (mündliche) Anweisungen, Erläuterungen und Informationen, die eigens auf den Arbeitsplatz und den Tätigkeits- bzw. Aufgabenbereich der Beschäftigten oder die spezielle Anwesenheit der Besucher ausgerichtet sind.
Wie die Unternehmen Unterweisungen durchzuführen haben, hat der Gesetzgeber bewusst nicht geregelt. Mit Absicht hat er den Unternehmen aber einen breiten Spielraum gelassen.

Maßgeblich dafür sind der §36 der Röntgenverordnung, bzw. der §38 der Strahlenschutzverordnung

In diesen Verordnungen wird vorgeschrieben, dass betreffende Personen sowohl vor Aufnahme der Tätigkeit als auch danach regelmäßig unterwiesen werden müssen.

Dafür Sorge zu tragen, dass diese Unterweisungen durchgeführt werden, gehören zu den Pflichten des Strahlenschutzverantwortlichen bzw. der von ihnen beauftragten Personen („Strahlenschutzbeauftragter“).
Die Unterweisungen richten sich sowohl an „fachkundige“ wie an „nicht fachkundige“ Personen.
Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Unterweisungen, die z.B. vor dem erstmaligen Zutritt zu Kontroll- oder Sperrbereichen erfolgen müssen (Erstunterweisung) und solchen, die danach mindestens in jährlichem Abstand zu wiederholen sind (Wiederholungsunterweisungen).

Zu unterweisen sind

  • alle Personen, denen der Zutritt zu Kontrollbereichen gestattet wird
  • alle Personen, denen der Zutritt zu Sperrbereichen gestattet wird
  • alle Personen, die außerhalb von Kontrollbereichen genehmigungsbedürftig mit radioaktiven Stoffen umgehen oder genehmigungsbedürftig ionisierende Strahlung anwenden oder alle Personen, die außerhalb von Kontrollbereichen anzeige- oder genehmigungsbedürftig Röntgenstrahlung anwenden.

Zu unterweisen sind auch

  • Sonstige Personen (z.B. Fremdpersonal, Patienten, Probanden, Besucher, Auszubildende, Studierende, Handwerker, Reinigungspersonal, Sachverständige, Behördenvertreter, helfende Personen etc.), soweit ihnen im Einzelfall der Zutritt zu Kontrollbereichen erlaubt wurde oder soweit für sie aufgrund gesetzlicher Regelungen Zutrittsrechte zu Strahlenschutzbereichen bestehen.

Die Unterweisung betrifft alle solche Personen. Ob diese Personen „fachkundig“ oder „nicht fachkundig“ im Sinne der StrlSchV oder RöV sind, ist unerheblich.

Wer hat zu unterweisen ?

In der Strahlenschutzverordnung und der Röntgenverordnung ist nicht festgelegt, welche Person die Unterweisungen durchzuführen hat. Der Gesetzgeber hat bewusst auch hier den Unternehmen einen breiten Spielraum eingeräumt. Insbesondere ist hier – im Unterschied zu manchem (konventionellem) Regelwerk - nicht festgelegt, dass Unterweisungen vom (jeweiligen) Vorgesetzten auszuführen sind. Normativ festgelegt ist im Strahlenschutz lediglich, dafür Sorge zu tragen, dass ordnungsgemäße Unterweisungen durchgeführt werden. Es gehört zu den rechtlich festgelegten Pflichten des Unternehmens, dies zu organisieren und die Mittel dafür bereitzustellen. Die Leitung oder Beaufsichtigung der Unterweisungen wird in der Regel den Strahlenschutzbeauftragten übertragen. Sofern die Strahlenschutzbeauftragten in ihren jeweiligen Entscheidungsbereichen die Unterweisungen nicht selbst durchführen, können sie geeignete Personen damit beauftragen. Das können durchaus auch MTA-R sein.

Worüber ist zu unterweisen ?

Die Beschäftigten und Sonstige sind zu unterweisen über

  • die Arbeitsmethoden und die möglichen Gefahren
  • die für ihre Beschäftigung oder ihre Anwesenheit wesentlichen Inhalte der StrlSchV bzw. RöV, der Genehmigung(en) und der Strahlenschutzanweisung(en)
  • die Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten im Strahlenschutz
  • die anzuwendenden Sicherheits- und Schutzmaßnahmen.
  • Darüber hinaus sind Frauen insbesondere auf ihre Mitteilungspflichten im Falle einer Schwangerschaft und auf die Strahlenrisiken für den Säugling im Falle einer Kontamination der Mutter hinzuweisen.

Weiterhin bietet es sich an, allgemeine Fragen zum Strahlenschutz oder neue Erkenntnisse bezüglich radiologischer Gefährdungen zu erörtern, Stör- und Unfallereignisse zu analysieren, auf mögliches Fehlverhalten und dessen Konsequenzen hinzuweisen, zu überprüfen, ob herstellerseitige, brachenspezifische Betriebsanweisungen ausreichend sind und inhaltlich verstanden wurden.

Wann ist zu unterweisen?

  • Vor Aufnahme der Tätigkeit („Erstunterweisung“),
  • In regelmäßigen Abständen („Wiederholungsunterweisung“),
  • Bei wesentlichen Änderungen im Aufgaben/Tätigkeitsbereich

Die Unterweisungen sind grundsätzlich während der Arbeitszeit durchzuführen. Die Wiederholungsunterweisung ist mindestens einmal im Jahr durchzuführen.

Die erforderlichen Mittel und die organisatorisch-technischen Voraussetzungen hierzu (z.B. Räumlichkeit, Personal, Regelung des Betriebsablaufes) hat der Strahlenschutzverantwortliche bzw. in seinem Auftrag die betrieblich dafür zuständige(n) Stelle(n) zur Verfügung zu stellen .

Wie wird die Unterweisung dokumentiert?

Im Zusammenhang mit der Unterweisung sind folgende Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten gegeben:

  • Aufzeichnung über Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung
  • Unterschrift der Aufzeichnung durch die unterwiesene Person(en)
  • Aufbewahrung der Aufzeichnungen über einen Zeitraum von fünf Jahren für die Beschäftigten und von einem Jahr für die sonstigen Personen.
  • Vorlegen der Aufzeichnungen auf Verlangen der zuständigen Behörde.

Es ist die Pflicht des Strahlenschutzverantwortlichen, für eine sachgerechte Dokumentation zu sorgen und die Mittel dafür bereit zustellen. Die Durchführung dieser Dokumentation wird in der Regel eigens dafür beauftragten Mitarbeitern übertragen.

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Kommentare

Ewald Groenewold vor 4 Monate

Sehr gute Erklärung, ich bin nun Tierarzt, wer darf die Tierbetreuungsperson unterweisen, immer wieder eine strittige Frage besonders in Prüfungen.

Mit freundlichen Grüßen
Ewald Groenewold

Anmerkung von MTA-R.de
Wie im Artikel schon erwähnt:
Die Leitung oder Beaufsichtigung der Unterweisungen ist in der Regel den Strahlenschutzbeauftragten übertragen. Sofern dieser Strahlenschutzbeauftragten in seien Entscheidungsbereichen die Unterweisungen nicht selbst durchführen, kann er geeignete Personen damit beauftragen. Nach meiner Ansicht sollte dies eine fachkundige Person sein. Fachkundiger Arzt, fachkundiger Med-Techniker oder MTRA .
Eine MFA hat keine Fachkunde - sie hat höchstens Kenntnisse im Strahlenschutz - und scheidet m.E damit aus.
Karl-Heinz zeifert

Ewald Groenewold vor 3 Monate

Hallo,
ich unterrichte Tiermedizinische Fachangestellte u. a. auch im Strahlenschutz an der BBS Haarentor in Oldenburg, von Beruf bin ich Tierarzt. Die Erklärungen über die Unterweisung finde ich gut. Haben Sie einen Fragenkatalog für Prüfungen und Unterricht. Gern würde ich auch meine gesammelten Fragen aus stattgefundenen zur Verfügung stellen.

Mit freundlichen Grüßen
Ewald Groenewold

Ewald Groenewold vor 3 Monate

Hallo,
ich bin es nochmal. Bei der Unterweisung folgende Fragen: Eine tiermedizinische Fachangestellte kann also die Unterweisung für die Mitarbeiter durchführen und auch die Tierbetreuungsperson unterweisen?
In dieser Hinsicht gehen die Meinungen auseinander.
Mit freundlichen Grüßen
Ewald Groenewold

Anmerkung der Red.:
Wir halten eine tiermedizinische Fachangestellte nicht geeignet zur Unterweisung, da sie keinerlei Fachkunde, sondern nur Kenntnisse im Strahlenschutz hat. Eine zweifelsfreie Beantwortung der Frage wird Ihnen die die zuständigen Ärztekammer geben können.