Strahlenschutz beim Extremitäten röntgen

Ks 10 Jan 2020

Hallo, ich habe heute von einer Kollegin erfahren, dass man beim Röntgen der Extremitäten keine Schürze mehr geben muss. Stimmt das? Liebe Grüße

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Boris T. Bear vor 2 Wochen 0

Nein, dies stimmt nicht. Das häufigem Weglassen von Strahlenschutzmitteln bei Patienten könnte u.U. zur Aberkennung der Fachkunde führen - solch einen Fall hat es (ärztlicherseits) bereits gegeben. Aktenzeichen liegt mir gerade nicht vor.

Die Kollegin hat insofern Recht, dass die SSK festgestellt hat, dass beim Röntgen von Extremitäten auf Gonadenschutz verzichtet werden kann. Jedoch wird auch darauf hingewiesen, dass der Schutz bei Kindern und Aufnahmen des Oberschenkels aufrecht erhalten werden sollte.
Die Empfehlung wurde am 18.06.2019 im Bundesanzeiger veröffentlicht.

Jedoch ist dies eben NUR eine Empfehlung ohne verbindlichen Charakter und die Ärztlichen Stellen fordern nach wie vor Gonadenschutz.

kszeifert vor 2 Wochen 0

Im Strahlenschutzforum (https://www.forum-strahlenschutzrecht.de/) wurde eine ähnliche Frage folgendermaßen beantwortet:

Nach dieser Empfehlung kann bei allen projektionsradiographischen Untersuchungen von Erwachsenen, mit Ausnahme des Beckens und der Hüftgelenke, wegen der geringen Dosiseinsparungen auf eine Bleiabdeckung verzichtet werden.

Eine Empfehlung ist allerdings kein rechtlich bindendes Werk. Vielmehr ist sie Teil des "Standes von Wissenschaft und Technik". Höher im Rang steht die Sachverständigenrichtlinie.
Und hier müssen nach Anlage III "Erforderliche Patientenschutzmittel bei Röntgeneinrichtungen zur Untersuchung" die entsprechenden Schutzmittel zumindest vorgehalten werden. Ähnliches gilt für die Leitlinie der Bundesärztekammer. Hier wird das Anlegen von Schutzmitteln gefordert. Beide Werke befinden sich derzeit in der Überarbeitung und werden möglicherweise die Empfehlung der SSK berücksichtigen.

Man sollte daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht von einem Rechtsanspruch auf Verzicht der Patientenschutzmittel ausgehen. Sicher muss man auch überlegen wie ein Verzicht auf die Patienten wirkt. Möglicherweise wird die Sorgfalt des Arztes in Frage gestellt.

Strahlenbiologisch ist die Empfehlung sicher ein Schritt in die richtige Richtung - Strahlenpsychologisch kann sie zu erheblichen Diskussionen führen.

Bitte bedenken Sie auf jeden Fall, dass beim CT weiterhin viele unterschiedliche Strahlenschutzmittel empfohlen werden.

Mit freundlichen Grüßen H. Lenzen

Hier der Link zu den Empfehleungen des SSK: https://www.ssk.de/SharedDocs/Beratungsergebnisse_PDF/2018/2018-12-13Patienten.pdf?__blob=publicationFile