"Röntgen kritisch betrachtet" von I.Maresch

Buch-Tipp: Keine Angst vor Strahlen

kszeifert 9 Oct, 2017 16:15

Es wird zu viel geröntgt. Ob aufgrund der Unwissenheit von Ärzten, ärztlichen Absicherungstendenzen oder von wirtschaftlichen Interessen geprägt, es werden zu viele nutzlose und überflüssige Röntgenuntersuchungen gemacht.

So die Einleitung des Buches der Innsbrucker Ärztin für Allgemeinmedizin und Fachärztin für Radiologie Frau Dr. med Irene Maresch mit dem Titel: "Keine Angst vor Strahlen?" über Gesundheitliche Riskien von Röntgenuntersuchungen.

Der Autorin, die auf eine langjährige Tätigkeit u.a. Lehrtätigkeit und Wissenschaft an der Universität Innsbruck, sowie im niedergelassenen Bereich zurückblicken kann, gelang hier ein sehr übersichtliches Fachbuch - auch für Laien verständlich geschrieben, das uns nicht nur über die Vorteile der modernen Diagnostik, sondern auch über die Risiken aufklärt.

So liest man schon in ihrer Buchbeschreibung:

Allein der Patient trägt aber das Risiko an Krebs zu erkranken. In diesem Buch versucht die Autorin Informationen über die Wirkung der Röntgenstrahlung auf den Organismus sowie über den Nutzen und das gesundheitliche Risiko von Röntgenuntersuchungen sachlich und vor allem auch für Laien verständlich darzustellen. Verschiedene häufig verordnete Röntgenunter­suchungen und ihre Strahlenbelastung sowie ihre häufigsten Indikationen werden beschrieben. Themen wie Mammografie-Screening oder Röntgen bei Kindern werden aufgrund ihrer Aktualität ausführlicher behandelt und diskutiert. Diese Informationen sollen einen kritischeren Umgang mit Röntgenuntersuchungen bewirken und vor allem Patienten dazu dienen, allzu sorglos verordnete Röntgenuntersuchungen zu hinterfragen.
Ergänzend dazu findet der Leser im Buch auch die betreffenden Passagen aus der Medizinischen Strahlenschutzverordnung - und zieht das Fazit: Der Gesetzgeber hat zum Schutz der Gesundheit alles Notwendige geregelt. Worauf es jedoch ankommt, ist - wie so oft - ein durch Wissen fundierter kritischer Umgang mit Technologie, sowohl aufseiten des Spezialisten (Arzt) als auch aufseiten des Laien (Patient)
. Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu.

Nachstehend zwei kurze Leseproben aus dem Buch:

Strahlenbelastung von CT Untersuchungen
Die CT wird heute von Ärzten immer häufiger eingesetzt. Die relativ hohe Strahlenbelastung wird dabei offenbar ignoriert bzw. systematisch unterschätzt. Dies zeigt sich auch an der wieder aufgeflammten Diskussion die CT bei Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen. Schon vor Jahren wurde diese CT Vorsorgeuntersuchung, das sogenannte “Managerscreening” in Amerika auf Grund des Anstiegs der Strahlenbelastung der Bevölkerung wieder abgeschafft bzw. verboten. Wenn man alleine bedenkt, dass das Brustgewebe wie auch die Lunge zu den strahlenempfindlichen Geweben zählen ist dies wohl verständlich.
Die Strahlenbelastung einer CT-Untersuchung beträgt in vielen Fällen das Hundertfache einer gewöhnlichen Röntgenaufnahme. Bei allen Vorteilen die eine CT bietet (brillante Bilder, schnelle Ergebnisse usw.) wird häufig übersehen, dass ihr inflationärer Einsatz die Strahlenbelastung der Bevölkerung und somit das Krebsrisiko deutlich erhöht. Vor allem bei Kindern und jungen Menschen, die
besonders strahlenempfindlich sind, ist die leichtfertige Anordnung von CT-Untersuchungen nur schwer zu verstehen. Ich möchte die Computertomografie keineswegs verteufeln, denn sie ist zweifellos ein hochwertiges Diagnose-Instrument und in vielen Bereichen kaum zu ersetzen. Jedoch ist es notwendig vermehrt auf die Risiken des häufigen CT-Einsatzes hinzuweisen.

Wie die im Buch “Keine Angst vor Strahlen? Gesundheitliche Risiken von Röntgenuntersuchungen” (Kap. Strahlenbelastung und Strahlenrisiko) angeführte Studie der Ruhr-Universität Bochum zeigt, ist die Unwissenheit eines Großteils der Ärzte bzgl. der Strahlenbelastung durch CT-Untersuchungen für den leichtfertigen Umgang mit dieser Methode mitverantwortlich.
Für viele Fragestellungen gibt es alternative Schnittbildverfahren ohne ionisierende Strahlung wie die Magnetresonanztomografie (MRT) oder die Sonografie (Ultraschall). So sind u.a. Beschwerden der Bandscheiben, der Wirbelsäule und der Gelenke aber auch andere Abklärungen vor allem bei Kindern und jungen Menschen in den meisten Fällen heute keine Indikation mehr für eine strahlenbelastende CT-Untersuchung.
Die deutsche Strahlenschutzkommission hat 2006 eine äußerst restriktive Anwendung von CT-Untersuchungen bei Kindern empfohlen.

Röntgen bei Kindern

Im Gegensatz zu Erwachsenen sind Kinder besonders strahlenempfindlich u. haben ein höheres Strahlenrisiko. Es ist daher eine besonders sorgfältige Risiko- Nutzen-Abwägung von Röntgenuntersuchungen bei Kindern und jungen Menschen erforderlich. Was macht den Unterschied zwischen Kindern und älteren Erwachsenen aus?
1) Kindliches Gewebe weist auf Grund des Wachstums eine hohe Teilungsrate der Körperzellen auf. Beim Erwachsenen sind nur noch die Gewebe stärker gefährdet, die lebenslang einer hohen Zellteilung unterliegen.
2) Gewebe von Kindern u. jungen Menschen haben einen höheren Wasseranteil. Das bedeutet bei Strahleneinwirkung eine vermehrte Bildung von Hydroxyl Radikalen. Diese freien Radikale wirken in Körperzellen als intensive Zellgifte. Auf Grund des höheren Wassergehaltes wird die Strahlung auch stärker absorbiert u. gestreut, sodass eine höhere Strahlendosis bei Kindern benötigt wird.
3) Unterschiedliche Anatomie und Proportionen beim Kind ggüber dem Erwachsenen. Geringere Körpergröße, daher ist der Körper eines Säuglings gedrungener als beim Erwachsenen. Bei einer Röntgenaufnahme liegen daher beim Kind besonders strahlenempfindliche Organe u. größere Körperabschnitte zwangsläufig innerhalb des Strahlenfeldes oder benachbart und sind auch von der Streustrahlung stärker betroffen. (Z.B. Beim Lungenröntgen sind dies die Schilddrüse u. die Ovarien)
4) Die Verteilung des besonders strahlenempfindlichen blutbildenden Knochenmarkes sind sehr unterschiedlich. Beim Säugling liegen in allen Körperbereichen, auch in den Extremitäten und im Schädelknochen große Anteile von blutbildenden Knochenmark (KM). Z.B. beträgt beim Säugling der Anteil von blutbildendem KM in der Schädeldecke 27% u. i.d. Extremitäten 35%, beim Erwachsenen hingegen in der Schädeldecke nur noch 8% und in den Extremitäten nur noch 9%.
Bei einer Röntgenuntersuchung sind daher beim Kind in allen Körperbereichen große Anteile von besonders strahlenempfindlichen Gewebe wie dem blutbildenden KM von der Strahlenbelastung betroffen. Daher besteht im Kindesalter im Vergleich zum Erwachsenen ein deutlich erhöhtes Risiko, infolge von Bestrahlung einen Strahlenschaden wie z.B. Leukämie, davonzutragen.

Zusammenfassung: Ein auch für den Laien verständlich geschriebenes Buch über Röntgen, angewandten Strahlenschutz in der Medizin und Minimierung des Strahlenrisikos, das uns nicht nur über die Vorteile der modernen Diagnostik sondern auch über die Risiken aufklärt.

Bezugshinweis: Das Werk ist als Taschenbuch erschienen. Es hat 101 Seiten und ist im Buchhandel sowie online zum Beispiel über Amazon usw. für 14,90 € erhältlich. ISBN: 9783864603211.

Das Urteil von MTA-R.de: Sehr empfehlenswert.

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