Giraffenhalsfrauen - Panzer für die Schönheit

kszeifert 9 Apr, 2012 09:00

Die sogenannten "Giraffenhalsfrauen" des Padaung-Volkes tragen von Kindheit an einen schweren Halsschmuck aus Ringen, der die Schultern deformiert und den Hals scheinbar verlängert.

Die Ringe waren früher aus purem Gold, heute bestehen sie allerdings nur noch aus Messing. Der Schmuck wird von den Frauen niemals abgenommen und wird bis zu 10 Kilogramm schwer und bis zu 40 Zentimeter hoch. Bereits im zarten Alter von fünf Jahren erhalten Mädchen ihren ersten Ring um den Hals. Jedes Jahr kommt ein neuer Ring dazu. Frauen mit etwa 30 Lebensjahren besitzen dann einen Schwanenhals, der durchaus 30 bis 40 cm lang sein kann. Die Padaung-Frauen tragen dabei ihren Halsschmuck mit großem Stolz. Je mehr Ringe eine Frau hat, umso höher ist ihr Ansehen in der Gesellschaft. Findige Geschäftemacher belebten damit den Ethno-Tourismus: Zahlreiche Frauen, die seit Ende der 1980er Jahre von Myanmar nach Thailand flüchteten, werden in Schaudörfern als „Long Neck Karen“ bzw. als „Giraffen(hals)frauen“ vermarktet.  ...



Bereits kleine Mädchen werden im Kleinkindalter auf das Tragen vorbereitet und erhalten im Alter von wenigstens fünf Jahren ihren ersten Ring. Jedes Jahr gesellt sich ein neuer Ring dazu, so dass die Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren einen wirklichen Giraffenhals vorweisen können. Die Knochen der Halswirbelsäule werden von Kindesbeinen an dadurch verformt und die Schlüsselbeine beim Bewegen automatisch nach unten gedrückt. Die Muskulatur im Hals- und Nackenbereich erschlafft.

Rund um den Halsschmuck der Padaung-Frauen kursieren zahllose Gerüchte und falsche Berichte. Manche stammen von Ethnologen, die spekulative Theorien als Tatsachen hinstellten, andere wurden von Reiseveranstaltern in Umlauf gebracht und von Touristen verbreitet, oft aber auch von Medien übernommen und unüberprüft veröffentlicht

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung handelt es sich beim Schmuck der Padaung nicht um einzelne „Ringe“, die nach und nach um den Hals oder um Arme und Beine geschmiedet werden, sondern um hochgängige Spiralen mit 30 bis 40 Zentimetern Durchmesser, die erst beim Anlegen durch geübte, kräftige Frauen (früher Schamanen) Windung um Windung an die Körperform angepasst werden. Das Rohmaterial besteht aus Messing und wird in Myanmar hergestellt. Früher kamen wertvolle Legierungen aus Gold, Silber und Messing oder Kupfer zum Einsatz.


Faszination Giraffenhals - Nicht der Hals wird länger, sondern Schulter, Rippen und Schlüsselbein werden verformt.


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Padaung-Frau mit „Nackenpanzer“



Die Realität sieht anders aus: Der vermeintliche Einblick in „archaische“ Welten samt indigener Musik- und Tanzdarbietungen ist eine kafkaeske Show. Heute werden die Bewohner der Bergdörfer rechtzeitig per Mobiltelefon informiert, wenn eine Touristengruppe im Anmarsch ist und Umkleiden ansteht. Das Geschäft mit den Padaung-Freilichtmuseen ist eine Weiterentwicklung dieses Konzepts. Acht Schaudörfer sollen mittlerweile in Betrieb sein, das jüngste wurde im Mai 2008 beim Badeort Pattaya im Süden des Landes eröffnet, rund 90 Flugminuten vom einstigen Pilotprojekt im bergigen Norden entfernt. Lange fügten sich die Padaung ohne Wenn und Aber den vorgegebenen Regeln und spielten „Eingeborene“, zumal es ihnen in materieller Hinsicht immer noch besser erging als den rund 140.000 Burmesen, die in UN-Flüchtlingscamps unterkamen. Der Neid blieb nicht aus: Manche Campbewohner, aber auch Thais, betrachten die Padaung als arbeitscheue Schmarotzer, die nur davon leben, sich begaffen zu lassen. Vergleichsweise spät regte sich anderweitig Kritik: Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Thailand kritisierten 2008 die Schaudörfer öffentlich als „Menschenzoos“. Neuseeland und andere Staaten hatten den Padaung Asyl angeboten, doch die thailändische Regierung winkte ab: Sie verweigerte ihnen die Ausreise – mit dem Hinweis auf Gleichbehandlung aller Flüchtlinge.
Die Enttäuschung machte sich Luft. Viele Frauen beklagten sich, wie Gefangene gehalten zu werden, da sie keine Reisepässe erhielten, ja nicht einmal die Schaudörfer verlassen durften, weil „Gratis-Kontakte“ mit Touristen die Einnahmen der Schaudörfer schmälern könnten. Sie kritisierten ihren unklaren Rechtsstatus und das Ausreiseverbot, hinter dem sie eher ökonomische als politische Gründe vermuteten und prangerten die schlechte Zahlungsmoral der Manager an. Einige Frauen nahmen aus Protest den Halsschmuck ab und landeten trotz des Asylangebots im UN-Lager, weil sie als Attraktion nicht mehr taugten. Geschäftsleute im Norden Thailands befürchteten jedoch ein Ausufern des Boykotts mit wirtschaftlichen Folgen für die ganze Region, worauf die restriktive Ausreisepolitik gelockert wurde.


Quelle: Die obige Beschreibung stammt aus dem Wikipedia-Artikel “Chilaiditisyndrom“, lizenziert gemäß CC-BY-SA. Eine vollständige Liste der Autoren befindet sich hier
Weitere Quelle: http://www.bjj.boneandjoint.org.uk/content/43-B/1/114.full.pdf

 


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Kommentare

Eileen vor 5 Jahre

Danke für den informativen Text! Er hat mir wirklich bei meiner Hausarbeit geholfen, natürlich werde ich sie nur zitieren und in meinem Quellenverzeichnis fehlen sie auch nicht.Sehr informativ und vorallem der Teil über die Schäden war mir eine sehr große Hilfe!

Kurt vor 5 Jahre

Hi,ich habe in den siebziger Jahren bei meinen Eltern eine Skulptur der Giraffenhalsfreuen entdeckt. Das hat mich schon damals fasziniert.Vielleicht interessiere ich mich noch heute für alles was mit Hals und Wirbelsäule zu tun hat.Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass es bei den Padaung-Frauen nicht zu heftigen Schädigungen der Halswirbelsäule kommt.Ist schon schön irre, was wir Menschen alles so machen., aber trotzdem irgendwie gut.Liebe Grüße mit viel Gesundheit.