Versteinert im Mutterbauch

Das Lithopädion oder auch das Steinkind

Karl-Heinz Szeifert 17 Jan, 2018 00:00

Ein Lithopädion oder Steinkind ist ein abgestorbener, versteinerter Fötus im Mutterleib und ist beim Menschen äußerst selten.

Eine ärztliche Routineuntersuchung einer 92-jährigen Chilenin hat Erstaunliches zutage gefördert: Im Körper der Frau wurde ein mindestens 50 Jahre alter mumifizierter Fötus entdeckt – ein Lithopädion oder auch Steinkind.

Steinkind im Bauch der 92-jährigen

Die betroffene Seniorin war wegen eines Sturzes in die Klinik gebracht worden. Auf einem Röntgenbild sahen die Ärzte dann zu ihrer Verblüffung den fast zwei Kilogramm schweren Fötus. Das Ungeborene war demnach rund sieben Monate alt. Die Frau gab an, damals nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst zu haben, und niemals Schmerzen im Unterleib verspürt zu haben.

Steinkinder entstehen, wenn ein abgestorbener Fötus einer Bauchhöhlenschwangerschaft, einer Eileiterschwangerschaft oder eines Gebärmutterrisses nicht wie üblich, vom Körper resorbiert wird, - dies geschieht üblicherweise bei Embryonen vor dem dritten Monat, - sondern durch Aufnahme von Kalk eingekapselt und mumifiziert wird. Typischerweise ist der Fötus deshalb bei Steinkindern älter als drei Monate. Da er dann schon zu groß ist, wird er nicht mehr resorbiert. Er wird vom Immunsystem der Mutter als Fremdkörper angesehen, und um ihn vor Infektionen zu schützen, wird er eingekapselt und verkalkt allmählich zum Steinkind.

Steinkind - CT Schnitt Unterbauch

Die Existenz eines versteinerten Fötus im Körper der Mutter kann Beschwerden verursachen, allerdings auch symptomlos verlaufen und dadurch auch über Jahrzehnte undiagnostiziert bleiben. Es gibt beschriebene Fälle von Steinkindern, die jahrzehntelang unbemerkt im Körper bleiben und erst durch einen Zufall oder eine Obduktion entdeckt werden.Solche Fälle sind sehr selten - bislang sind in der medizinischen Literatur nur etwa 300 beschrieben.

Heutzutage kommen solche Fälle nur noch in Ländern mit schlechter oder gar keiner gynäkologischer oder chirurgischer Versorgung vor. Bei gesicherter Diagnose ist, um Komplikationen zu vermeiden eine operative Entfernung der Steinfrucht angebracht.

Der erste Fall eines Steinkindes wurde bereits im Jahre 1582 beschrieben und wurde als Steinkind von Sens beschrieben.

Lithopädion

Eine Frau aus Sens (Burgund) zeigte 1554 im Alter von 40 Jahren alle Anzeichen einer normalen Schwangerschaft, doch das Kind wurde nicht geboren. Die Mutter hatte noch jahrelang Beschwerden und das ungeborene Kind war als harte Schwellung in ihrem Leib zu spüren. 28 Jahre später - nach ihrem Tod - ließ der Witwer sie sezieren. Im Leib der Mutter wurde ein großes eiartiges Gebilde gefunden, das nur mit Gewalt aufgebrochen werden konnte. Darin befand sich ein voll ausgetragenes, versteinertes Mädchen.

Quellen:

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