Strahlend - Schön - und (Un)Gesund

Ungewöhnliche Radioaktive Produkte

Karl-Heinz Szeifert 11 Apr, 2018 00:00

THO-RADIA Kosmetik - Radium-Kondom -  Radium-Schokolade -  und mehr

Strahlt sie nicht schön - die Dame auf dem nebenstehenden Poster? Diesem Schönheitsideal eiferten vor knapp einhundert Jahren die Frauen nach. Die Kosmetikindustrie bot dafür natürlich auch die geeigneten Mittel an, indem man kosmetischen Artikeln radioaktive Stoffe beifügte . Mit der Energie von Radium und Thorium käme man dann schnell zu solch "strahlendem Ergebnis".

Strahlende Schönheit

Nach der Entdeckung von Radium wurde Radioaktivität tatsächlich zum Gesundheitstrend: In Europa öffneten zahlreiche Radium-Kurbäder und in Frankreich gab es eine Kosmetikserie namens "THO-RADIA", die das radioaktive Element als Schönheitselixier in Cremes, Puder und Eau de Cologne packte.
Man glaubte zu damaliger Zeit, Radium wäre ein Heilmittel und würde die Menschen gesünder und schöner machen.
Bei THO-RADIA - in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts - als Gesichts-Creme und Puder angeboten, versprach man sich eine verdoppelnde Wirkung durch die Kombination der Wirkstoffe Radium und Thorium.
Die Gesichts-Creme enthielt 0,5 g Thoriumchlorid und 0,35 mg Radium im 100 g Dose. Die Rezeptur wurde 1932 in Frankreich patentiert. Ein rosa Teint war damals modern. Die radioaktive Paste sorgte bestens dafür.

Nachdem der französische Arzt Alfred Curie (1873 – nach 1940) Anfang 1933 das apothekenexklusive Produkt «Tho-Radia» auf den Markt brachte, wurde dies Grundstein einer Präparateserie, die noch bis fast 1960 florierte und auch Seife, Lippenstift, Puder, «Rouge» und ein Mundantiseptikum umfasste.

Eine Möglichkeit, die «Lebenskraft» des Körpers mit milder Strahlung beeinflussen zu können, suggerierten auch weitere radioaktive Lebens- und Genussmittel. - MTA-R.e berichtete bereits mehrfach darüber.

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Bemerkenswert erscheint der Vorschlag, «mit Radiumemanation beladene Butter in den Handel zu bringen». Es blieb hier beim Vorschlag.

Tatsächlich zur Marktreife gelangt waren auch radiumhaltige Schokolade als «verjüngendes bzw. die Gesundheit förderndes Nähr- und Genußmittel», die «Radium-Schokolade Burkbraun» der Firma Burk und Braun, Cottbus .

Auch die als Universalheilmittel angepriesene «Nährsalzschokolade Jusch» enthielt neben anorganischen («Nähr»-) Salzen Iod und eine radioaktive Substanz.

Haartinktur mit Radium

Der «Radium-Wasserzwieback» einer Bäckerei in St. Joachimsthal wurde unter Zusatz «Joachimsthaler Radiumwassers» produziert.
Letzteres wurde von einer ortsansässigen Apotheke vertrieben, die offensichtlich wegen der höheren Werbewirksamkeit ihren Namen von «Adler-Apotheke» in «Radium-Apotheke» geändert hatte .

In diesem Zusammenhang interessante Exponate besitzt das Museum der amerikanischen «Health Physics Society», darunter Radium-Butter, Radium-Bier, Radium-Zigaretten, ja sogar Radium-Kondome und Radium-Schuhcreme .

Neben radioaktiven Zubereitungen, die als Arzneimittel angepriesen wurden, existierte eine Reihe von Präparaten aus den Bereichen Körperpflege und Kosmetik wie zum Beispiel Dr. Hartmanns Ridion Tinktur. Die radioaktive Doramad-Zahnpasta für "strahlend weiße Zähne" sollte einen leichten Reiz auf das Zahnfleisch und alle Mundhöhlenorgane ausüben und dadurch die natürliche Selbstheilung derselben fördern.

Quelle: http://cosmeticsandskin.com/aba/glowing-complexion.php

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