Gibt es ein offizielles Paper zum (angeblich obsoleten) Röntgen der NNH?

Anke 09 Jan 2018

Gelegentlich findet man im Netz/ Social media Angaben dazu, dass div. Ärtzekammern die NNH-Aufnahmen wegen des schlechten Nutzen-Dosis-Verhältnisses bemängeln. Hat jemand dazu ein offizielels Dokument (Bireifkopf) oder einen Link? Bislang habe ich immer nur "Ausschnittvergrößerungen" gefunden, denen leider dann die Quellen fehlen...

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kszeifert vor 7 Jahre 1

Hallo Anke,
eine offizielle Regelung, ob diese Aufnahmen gerechtfertigt, gibt es meines Wissens nicht.
Es gibt aber Leitlinien und Empfehlungen dazu, nach denen man sich richten sollte, aber nicht unbedingt muss. Das liegt oft im Ermessen des fachkundigen Arztes der die rechtfertigende Diagnose stellt.
Nachstehende Links helfen dir hier vielleicht weiter:
1. Orientierungshilfe für bildgebende Untersuchungen (Empfehlung der Strahlenschutzkommission)
https://www.ssk.de/SharedDocs/Beratungsergebnisse_PDF/2008/Orientierungshilfe.pdf?__blob=publicationFile

2.Artikel aus dem Ärzteblatt
https://www.aerzteblatt.de/archiv/160540/Bildgebende-Verfahren-in-der-Kopf-Hals-Diagnostik
Da ist unter anderem zu lesen:
Die bildgebende Diagnostik in der anatomisch anspruchsvollen Kopf-Hals-Region bedarf nach einer gründlichen klinischen Untersuchung der gezielten Indikationsstellung. Konventionelle Röntgenbilder sind einfach zu erstellen, können aber in vielen Fällen die Fragestellung nicht beantworten oder führen zu verwirrenden Fehlinformationen.
Obschon die geringe Aussagekraft der klassischen Projektionsradiographie mit entsprechend irreführenden Interpretationsmöglichkeiten in wissenschaftlichen Publikationen seit drei Dekaden vielfach dokumentiert ist und Leitlinien aller Fachgesellschaften die konventionelle Röntgendiagnostik mit Ausnahme der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde nicht mehr oder nur noch mit erheblichen Einschränkungen enthalten, teils auch konkret davon abraten, werden in der Praxis immer noch zahlreiche Standard-Röntgenaufnahmen angefertigt. Zu den Gründen hierfür zählen möglicherweise die niedrige Strahlenexposition, die niedrigen Herstellungskosten und die scheinbare „Übersichtlichkeit“ der anatomischen Darstellung. Hierbei wird das Risiko der Täuschung durch Projektionseffekte auch für Geübte unterschätzt und das tatsächliche Nutzen-Risiko-Verhältnis der heute verfügbaren diagnostischen Methoden nicht adäquat berücksichtigt.

Daher sind heute bei leitliniengerechter Anwendung entzündliche, traumatologische und tumoröse Erkrankungen mit einer auf die Fragestellung abgestimmten Schnittbilddiagnostik abzuklären. Klassische Röntgenaufnahmen werden nur noch in der Zahndiagnostik und wenigen Ausnahmefällen, deren Stellenwert in dem Artikel des Ärzteblatts differenziert erläutert wurde, angewendet.

Schlussfolgerung: Entzündliche, traumatologische und tumoröse Erkrankungen werden gemäß leitliniengerechter Anwendung mit der Schnittbilddiagnostik (CT, MRT) abgeklärt. Klassische Röntgenaufnahmen sollten nur noch in der Zahndiagnostik und in wenigen Ausnahmefällen erfolgen.

Quelle: Dtsch Arztebl Int 2014; 111(23-24): 417-23; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0417
Dammann, Florian; Bootz, Friedrich; Cohnen, Mathias; Haßfeld, Stefan; Tatagiba, Marcos; Kösling, Sabrina