Wann ist ein Ringdosimeter sinnvoll

Thermolumineszenz-Dosimetrie

Karl-Heinz Szeifert 17 Oct, 2011 10:00

Der § 35 Abs. 5 RöV schreibt vor, dass ein weiterer Dosimeter in der Regel Fingerringdosimeter dann zu tragen ist, wenn vorauszusehen ist, dass die Organdosis mehr als 150 mSv im Kalenderjahr beträgt. 

Der Grenzwert von 500 mSv/a (§31a Abs. 2) bleibt davon unberührt.

Können solche Werte in der interventionellen Radiologie erreicht werden?

Bei Arbeiten außerhalb des Nutzstrahlenfeldes wird dieser Wert wohl kaum erreichbar sein - aber wie sieht das bei Operateuren im OP, Kardiologen bei Herzkatheteruntersuchungen oder bei Radiologen in der interventionellen Radiologie aus?

Zu einer ählichen Frage hat sich Prof.Ewen vom Forum-RoeV folgendermaßen geäußert:

"Pi mal Daumen" kann man abschätzen, dass die Dosis in der Nutzstrahlung etwa um einen Faktor 1000 höher ist als in der Streustrahlung, also dort, wo z.B. der Chirurg steht. Wenn man die Dosisleistung in der Streustrahlung kennt, dann wird man leicht abschätzen können, dass man dort bei Vorliegen einer beruflichen Strahlenexposition den Grenzwert für die Hände (500 mSv/Jahr; § 31a Abs. 2 Nr. 2 RöV) nur schwerlich erreichen kann.

Das ist natürlich in der Nutzstrahlung ganz anders. Wenn man den Faktor 1000 berücksichtigt, sind die jährlichen Expositionszeiten zum Erreichen von 500 mSv/Jahr gar nicht mehr so lang.

Was die Nutzung von Fingerringdosimetern betrifft, so sollte nach meiner persönlichen Meinung deren Tragen bzw. Nichttragen z.B. bei intraoperativen Untersuchungen und beim ERCP von den durchleuchtenden Ärzten selbst eingeschätzt werden - in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Strahlenschutzbeauftragten. Denn nur diese Personen können am besten beurteilen, ob Nutzstrahlenexpositionen der Hände wahrscheinlich sind oder nicht.

Einen administrativen Rückhalt liefert die "Richtlinie für die physikalische Strahlenschutzkontrolle zur Ermittlung der Körperdosis; Teil 1: Ermittlung der Körperdosis bei externer Strahlenexposition".

Abb.1

Abb. 1 - Thermolumineszenzdosimeter - Dieses Messsystem zeichnet sich durch sein geringes Detektorvolumen und große Empfindlichkeit aus und wird als amtliches Dosimeter zur Ermittlung der Teilkörperdosis (Fingerringdosimeter u.a.) eingesetzt. zum Nachweis von Beta-, Röntgen- und Gammastrahlung


Wenn man also mit Radioisotopen hantiert, z.B. in der Nuklearmedizin und Strahlentherapie, oder in der radiologischen Intervention tätig ist und dort regelmäßig der Nutzstrahlung ausgesetzt ist, dann sind solche Ringe die perfekten Teilkörperdosimeter. Sie sind preisgünstig und zuverlässig!

Bei Arbeiten ausschließlich außerhalb des Nutzstrahlenfeldes wird man aber in der Regel auf die Nutzung solcher Messgeräte verzichten können!

Die Thermolumineszenz (TL) – Dosimetrie ist eine weit verbreitete Methode zur Messung der Personendosis und die Ringdosimeter sind bestens geeignet zur amtlichen Überwachung der Oberflächen–Personendosis in Photonen– oder gemischten Photonen– und Betafeldern. Je nach dem in welchem Energiebereich gemessen werden soll, werden differente Dosimeter angeboten.

Die Ringe der Auswertungsstelle HelmholtzZentrum Münschen sind mit Lithiumfluorid – Detektoren bestückt. Im Ring vom Typ W sind die Detektoren mit Magnesium und Titan dotiert, im Ring vom Typ X kommen mit Magnesium und Kupfer dotierte Detektoren zum Einsatz, die zur Messung von niederenergetischen Photonen und Betas durch eine dünne Mylar – Folie abgedeckt sind.

Trifft ionisierende Strahlung auf den Detektor, wird Energie im Detektorkristall gespeichert. Durch Erhitzen wird ein Teil dieser Energie in Form von Licht wieder freigesetzt. Die Lichtintensität ist ein Maß für die absorbierte Strahlung.

Üblicherweise werden Ringdosimeter am Finger für eine Überwachungsperiode von einem Monat getragen.


Quellen: Helmholtz Zentrum-Muenchen

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Kommentare

K-H. Szeifert vor 8 Jahre

Hallo Jenny K.Besten Dank für das Lob. Sie haben natürlich mit Ihrem Einwand vollkommen recht! Ist auch schon korrigiert! Ganz herzlichen Dank für den Hinweis.Genau so sollte die Community funktionieren! Wir freuen uns weiterhin auf Ihr wachsames Auge! Vielleicht haben Sie ja selbst auch mal eine interessante Geschichte oder sonst einen geeigneten Beitrag für die MTA-R.de-Seite?Wir würden uns sehr freuen!Nochmals vielen Dank und viele GrüßeKarl-Heinz Szeifert

Jenny K vor 8 Jahre

Hallo Herr Szeifert,vielen Dank für Ihre immer guten und hilfreichen Beiträge :-)Für diesen Beitrag bitte ich allerdings um Korrektur im ersten Satz:.....ein Fingerringdosimeter ist zu tragen, wenn zu erwarten ist, dass die Organdosis mehr als 150 mSv im Kalenderjahr beträgt..... Der Grenzwert von 500 mSv/a (§31a Abs. 2) bleibt davon unberührt.Beste GrüßeJenny K

Rose Eufinger-Garbers vor 2 Jahre

Sehr geehrte Damen und Herren,
in einer Strahlenschutzschulung zum Erwerb der Kenntnisse für OP-Personal kam die Frage auf:
läßt sich ein Ringdosimeter sterilisieren?
Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir diesbezüglich eine Info zukommen lassen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
Rose Eufinger-Garbers (MTRA).