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Das Zenker´sche Divertikel 0702

rockpop 7 Feb, 2019 00:00

Beim Zenker-Divertikel handelt es sich um ein Divertikel des Hypopharynx (Schlund) und nicht der Speiseröhre, wie häufig falsch angegeben wird.

Das Zenker-Divertikel ist ein Pulsionsdivertikel und Pseudodivertikel. Es wurde 1764 von Abraham Ludlow erstbeschrieben und ist benannt nach Friedrich Albert von Zenker. Am meisten sind Männer im fortgeschrittenen Lebensalter betroffen.

Die Ursache für die Entstehung dieses Divertikels ist das muskelschwache Dreieck (Killian-Dreieck) zwischen der Pars obliqua und der Pars fundiformis (Killian-Schleudermuskel) der Pars cricopharyngea (Anteil des M. constrictor pharyngis inferior). Es befindet sich dorsal oberhalb der Ringknorpelenge des Ösophagus. Mit ursächlich ist in der Regel eine Funktionsstörung des oberen Speiseröhren-Sphinkters (Ösophagusmund) in Form einer unzureichenden oder zeitlich nicht koordinierten Öffnung. Das Divertikel ist häufig zur linken Seite lokalisiert. ...



Abb. oben: Stadien des Zenkerdivertikels nach Brombart von 1 bis 4.
Zunächst sollte versucht werden, eine zugrundeliegende Funktionsstörung des oberen Ösophagussphinkters zu therapieren, da es sonst zu Rezidiven kommen kann. In den frühen Stadien ist dies der einzige Ansatzpunkt.

Bei den fortgeschritteneren Stadien werden derzeit drei Verfahren angewandt:

A. Der offene chirurgische Eingriff (Zervikotomie) erlaubt es, das Divertikel vollständig zu resezieren, ist jedoch mit dem höchsten Aufwand verbunden.

B. Eine zweite Methode ist die HNO-ärztliche Spaltung mit einem starren Endoskop in Intubationsnarkose.


Abb. rechts: Abschnürung eines Zenker-Pouches Stadium 2 nach Brombart zwischen der peristaltischen Welle des M. constrictor pharyngis inferior (1) und der Kontraktion des oberen Ösophagussphinkters (2).


C. Die Methode mit dem geringsten Aufwand nutzt die flexible Endoskopie. In die Speiseröhre wird eine Magensonde eingelegt, anschließend wird durch ein Gastroskop ein elektrisches Nadelmesser oder eine Argon-Beamer-Sonde eingeführt und der Muskelsteg (Pars fundiformis) zwischen Divertikel und Speiseröhre zumindest teilweise durchtrennt. Hier wird nur die für Magenspiegelungen notwendige Sedierung erforderlich. Der Gefahr eines Rezidivs steht die leichte Wiederholbarkeit gegenüber.

Bei der Operation erfolgt der Hautschnitt in Längsrichtung seitlich und links des Kehlkopfes auf einer Länge von sechs Zentimetern. Danach wird vorsichtig präpariert, bis der linke Schilddrüsenlappen mobilisiert und hochgeklappt werden kann und man einen sehr wichtigen Nerv, der hier verläuft, eindeutig sieht. Jetzt wird das Divertikel präpariert, dargestellt und abgetragen und die Speiseröhre an dieser Stelle wieder verschlossen. Zum Schluss wird im Bereich des oberen Schliessmuskels der Speiseröhre, in welchen die Druckspitzen beim Schluckakt entstehen, eine spezielle Muskeldurchtrennung durchgeführt, damit der Widerstand in diesem Bereich beim Schlucken sinkt und einem erneuten Auftreten eines Divertikels vorgebeugt werden kann.


Quelle: Die obige Beschreibung und die Bilder stammen aus dem Wikipedia-Artikel “Zenker-Divertikel”, lizenziert gemäß CC-BY-SA. Eine vollständige Liste der Autoren befindet sich hier


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