TIPP - Höchst interessant!

Radiologie im Nationalsozialismus

Karl-Heinz Szeifert 20 Jun, 2018 00:00

Eine Ausstellung der Deutschen Röntgengesellschaft zur Aufarbeitung ihrer Geschichte in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur. Mit Link zu einer beeindruckenden Online-Präsentation.

Ausstellungsplakat

Im Jahr 2010 beauftragte die Deutsche Röntgengesellschaft e.V. die Medizin­historikerin Frau Dr. Gabriele Moser (Universität Heidelberg) mit der Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Röntgengesellschaft in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur.

Die Ausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus” im Deutsches Medizinhistorisches Museum in Ingolstadt präsentiert die Ergebnisse des Forschungsprojektes. Sie gibt einen Gesamtüberblick über das Thema, zeichnet den ver­brecherischen Einsatz der Röntgenstrahlung im Dienste nationalsozialistischen Rassenwahns nach und dokumentiert damit verbundene wissenschaftliche Karrieren. Sie dokumentiert aber auch die oftmals schwierige Bergung von Biografien verfolgter und er­mordeter Radiologinnen und Radiologen zwischen 1933 und 1945.

Die Text- und Bildtafeln der Ausstellung werden durch Objekte aus der Sammlung des Deutschen Medizinhistorischen Museums und Leihgaben aus dem Deutschen Röntgenmuseum Remscheid ergänzt.

Die Ausstellung Radiologie im Nationalsozialismus veranschaulicht den Stand der Röntgentechnik in der Zeit von 1933 bis 1945 und bringt Beispiele dafür, wie diese medizintechnischen Möglichkeiten eingesetzt wurden, um das große Ziel der nationalsozialistischen Diktatur, die Schaffung eines „reinen und starken deutschen Volkskörpers”, zu erreichen. Dies reichte von der Zwangsasylierung von (durch Röntgenreihenuntersuchungen erkannten) Tuberkulosekranken über die Zwangskastration von Frauen durch Strahlung bis hin zu verbrecherischen Menschenversuchen im KZ Auschwitz, wo eine hochmoderne Röntgenanlage zur Verfügung stand. Ein weiteres Thema der Ausstellung ist das Schicksal der jüdischen RöntgenärztInnen, die, psychisch und physisch traumatisiert, Deutschland verlassen mussten oder gar ermordet wurden.

Empfehlenswert der Link zur Online-Präsentation der Wanderausstellung der Deutschen Röntgengesellschaft - Sehr informativ und sehr beeindruckend!

Die Austellung „Radiologie im Nationalsozialismus“ ist noch bis zum 9.9.2018 im Deutschen Medizinhistorisches Museum in Ingolstadt zu sehen.

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