Uromas “Revigator” für prickelnde “energiereiche” Getränke
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- Uromas “Revigator” für prickelnde “energiereiche” Getränke
Etwa ab 1920 war der sogenannte “Revigator” in Mode gekommen. Dabei handelte es sich um Maschinen und Apparate verschiedener Bauart und Ausführung, die alle einem Zweck dienten: Radioaktives Radon-Gas ins Trinkwasser zu pumpen. So bereiteten sich Uroma und Oma ein prickelndes, angeblich gesundes, aber wohl kaum belebendes Mineralwasser ähnliches Getränk.
Gerade Radon galt als zu damaliger Zeit als heilbringend. In der Krankheits-Prophylaxe und in der Rehabilitation nach schweren Verletzungen wurde radioaktives Wasser etwa von 1920 bis Mitte der dreißiger Jahre in relativ hoher Konzentration oral verabreicht. “Radithor”, das damals populärste Produkt, sorgte 1932 für Schlagzeilen und einen handfesten Medizin-Skandal. Das makabrerweise auch in der Tumor-Prophylaxe eingesetzte Mittelchen entpuppte sich als Auslöser von Krebserkrankungen im Kopf-, Rachen- und Halsbereich.
“Radithor” (ca. 1928) ca. 14 g dreifach destilliertes Wasser mit Radium-226 und Radium-228 versetzt.
Unzweifelhaft ist der Tod des amerikanischen Geschäftsmannes und Golf-Champions Eben Byers mit der Anwendung von “Radithor” verknüpft. 1928 begann Byers auf Empfehlung seines Arztes mit der Einnahme von “Radithor” zum Auskurieren einer Unfallverletzung. Auch nach Ausheilung der Verletzung behielt Byers die “milde” Radiumtherapie bei und trank durchschnittlich drei Flaschen “Radithor” täglich.
Erst nach dem Auftreten von Zahnausfall und von Wunden an der Schädeldecke beendete Byers im Jahre 1930 die “Radithor”-Anwendung. Sein Tod im Jahre 1932 alarmierte die Mediziner und die Öffentlichkeit. Erst jetzt begann endlich die breite Öffentlichkeit, die von solcher Art missbräuchlicher Verwendung des Radiums ausgehenden Gefahren zu erkennen. Daraufhin verschwand das Mittel auch sehr schnell vom Markt.
Die Mode, Wasser radioaktives Gas zuzusetzen, war damit aber noch lange nicht am Ende. Noch 1965 brachte die “Ionic Research Foundation” einen obskuren Apparat auf den Markt, der die Verstrahlung des Trinkwassers perfektionierte. Der “Gable Ionic Charger” bestand aus nicht viel mehr als einer mit 0,3 mCi Radium-226 gefüllten Hohlwalze aus Blei, die mit einem Schlauch und Blasebalg verbunden war.
Im Prozess des Zerfalles entsteht aus Radium-226 das radioaktive Edelgas Radon-222. Das Ende des Schlauches hängte man nun in ein Wasserglas, während man den kleinen Blasebalg “einige Dutzend Mal” betätigte. Schon, so versprach die Werbung, konnte man “die Radon-Bläschen im Glas aufsteigen sehen”.
Die Firma empfahl ihre Strahlenwalze nicht nur zur Aufbereitung von Trinkwasser, sondern auch “zum Wässern von Pflanzen, von Saatgut und zum Tränken von Tieren”. Der Standard-Preis für den Gable Ionic Charger betrug 575 US-Dollar, Bildungseinrichtungen erhielten einen 40% Rabatt.
Die Kundschaft wusste der Hersteller in markigen Worten zu beruhigen: Das Verfahren sei sicher, weil man ja nur das Gas einnehme, und “nicht das metallische Element”. Überhaupt hätte “die derzeitige Generation von Fachleuten” durch das “bürokratische Geschrei über Fall-Outs” eine “Gehirnwäsche” erlitten und die Gesundheitsgeheimnisse “der berühmten Bäder vergessen”.
Der “Gable Ionic Charger” hatte die Zeit nicht mehr, zu einem Markterfolg zu werden, wurde stattdessen zum letzten Apparat seiner Art. Kurz nach dem Beginn des Verkaufes warnten die US-Behörden vor dem Gerät und den falschen, gefährlichen Versprechungen seiner Hersteller. Den Warenbestand ließen sie beschlagnahmen.
Quelle: http://www.orau.org



Jan 27, 2012 @ 20:53:42
Guten Abend Herr Seifert,
Ihre Seiten gefallen mir ausgezeichnet, vielen Dank & Lob für Ihre Arbeit!
Gerade eben habe ich mit meiner Angetrauten das Thema “Röntgen” besprochen, inspriert durch die Beiträge hier, ursprünglich vom Experimentierkästenforum kommend:
http://www.rigert.com/ee-forum/viewtopic.php?f=24&t=557
Meine Frau ist davon überzeugt, dass ihr als Kind im Schuhgeschäft die Füsse durchleuchtet, vulgo geröntgt wurden.
Ist das vor ca. 5 Jahrzehnten (in der Dossenhemer Gegend) noch denkbar gewesen?
Ich glaube mich an ähnliches (aus der Eifel kommend) erinnen zu können…
Viel Erfolg für Ihre web-Seiten, ich werde noch öfter vorbeischauen
Thomas Volk
Jan 27, 2012 @ 22:14:30
Hallo Herr Volk,
vielen Dank für den netten Kommentar
Zum Schuhdurchleuchtungsgeröt (Pedoskop):
Wir haben auf mta-r.de zwei Artikel über dieses Thema:
http://mta-r.de/unterhaltsam/fundgrube/2011/09/fundgrube-alte-film-clips-zum-thema-rontgen/
http://mta-r.de/allgemein/2011/03/video-vom-schweizer-fernsehen-u-a-uber-das-pedoskop/
Diese Geräte gab es bis in die 60er Jahre in jedem besseren Schuhgeschäft. In der Schweiz wurde das letzte Gerät etwa 1970 abgeschafft.
Vor allem für die Kinder war das eine Attraktion und alle Kleinen gingen liebend gerne zum Schuheinkauf!
Ich selbst kann mich auch noch gut daran erinnern ,als ich Anfang der 60er mit meinen Eltern zum Schuhkauf musste und dort so ein Gerät entdeckte. Natürlich wollte ich als 6-jähriger das sofort ausprobieren. Ich weis noch – ich war bös sauer, als mir die Verkäuferin erklärte, das Gerät sei defekt und abgeschaltet! Ergo: Ihre Frau hat recht, das ist sogar sehr wahrscheinlich!
Die Strahlenbelastung war nicht unerheblich, die Geräte waren ja aus Holz und nicht abgeschirmt. Mittlerweile würde so ein Gerät natürlich nie und nimmer mehr eine Zulassung bekommen.
Wie Sie sicher aus anderen Artikeln auf unserer Seite schon gelesen haben, wurde nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen durch Wilhelm C. Röntgen sowie die der Radioaktivität von Madame Curie sehr viel Unfug mit dieser damals sehr neuen Art von Energie getrieben.
Sie dürfen meine Antwort auch gerne so in Ihrem Baukastenforum übernehmen!
Wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende !
Viele Grüße
Karl-Heinz Szeifert