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Schultereckgelenksverrenkung (AC-Gelenksprengung)

tossya

Die Schultereckgelenksverrenkung (auch Schultereckgelenk-Sprengung, AC-Gelenk-Sprengung, ACG-Sprengung oder AC-Sprengung) ist eine durch traumatische äußere Einwirkungen verursachte komplette oder inkomplette Sprengung des Schultereckgelenkes.

Sie entsteht zumeist durch eine direkte Gewalteinwirkung bei Sturz auf die Schulter. Die Lokalisation, sowie die Art der Verletzung, sind von der Stellung des Schultergelenkes beim Sturz und der äußeren Gewalteinwirkung abhängig. Hierbei kommt es zu einem teilweisen oder kompletten Riss der Gelenkkapsel und der Bänder.

Bei einer kompletten Ruptur und angedeutet auch bei größeren Teilrupturen kann bei der körperlichen Untersuchung das meist schmerzhafte „Klaviertastenphänomen“ ausgelöst werden:

Panoramaaufnahme Schultergelenke mit bds. 10 kg Belastung - Tossy III

Dabei kann das nach oben abweichende äußere Ende des Schlüsselbeines vom Untersucher wie eine Klaviertaste nach unten gedrückt werden, federt aber beim Nachlassen das Druckes sofort wieder nach oben. Das Ausmaß des Klaviertastenphänomens ist ein indirekter Hinweis auf das Ausmaß der Bandverletzung.

Bei Verdacht auf einer Schulter-Eckgelenks-Sprengung wird eine Panoramaaufnahme der Schulter mit Belastung im Seitenvergleich durchgeführt. Hier kann auf der verletzten Seite dann unter gewichtsabhängigen Zug am Arm (5 bis 10 kg) ein wesentliches Auseinanderweichen zwischen der Schulterhöhe und dem seitlichen Ende des Schlüsselbeines erkannt werden.

Die Schultereckgelenksprengung (ACG-Sprengung) wird nach Tossy (1963) in drei Schweregrade eingeteilt:

  • Tossy I: Zerrung/Teilruptur des akromioklavikulären Kapsel-Band-Apparats, korakoklavikuläre Bänder nicht verletzt. Im Röntgenbild unter Belastung („Wasserträgeraufnahme“): Verbreiterung des Schultereckgelenkspalts, kein Klavikulahochstand (vergleiche Rockwood I, siehe Rockwood-Einteilung der Schultereckgelenksprengung).
  • Tossy II: komplette Zerreißung des akromioklavikulären Kapsel-Band-Apparats, Teilruptur der korakoklavikulären Bänder. Im Röntgenbild: Verbreiterung des Schultereckgelenkspalts bei gleichzeitigem Hochstand der lateralen Klavikula um halbe Schaftbreite (vergleiche Rockwood II, siehe oben).
  • Tossy III: komplette Zerreißung des akromioklavikulären Kapsel-Band-Apparats und der korakoklavikulären Bänder. Im Röntgenbild: Verbreiterung des Schultereckgelenkspalts bei gleichzeitigem Hochstand der lateralen Klavikula um eine ganze Schaftbreite oder mehr (vergleiche Rockwood III–V, siehe oben).

Tossy-Klassifikationen der AC-Gelenkverletzungen

In der Klassifikation nach Tossy wird nicht unterschieden zwischen den reinen Zerreißungen des korakoklavikulären Bandapparats und der zusätzlichen Ruptur der Fascia deltoideotrapezoidalis, bei deren zusätzlichem Vorliegen das Ausmaß der Instabilität nicht nur in kraniokaudaler Richtung größer wird, sondern auch noch eine Instabilitätskomponente in anteroposteriorer Richtung auftritt (vergleiche Rockwood V bzw. IV, siehe oben). Da diese zusätzlichen bzw. ausgeprägteren Instabilitäten für die Indikationsstellung zur operativen Behandlung wichtig sind, sollte heutzutage nicht mehr die Klassifikation nach Tossy, sondern die nach Rockwood (2004) benutzt werden.

Neuer und genauer ist die Einteilung nach Rockwood

  • Rockwood I: Zerrung des Kapsel-/Bandapparates. Keine Schultereckgelenkinstabilität (entspricht Tossy I).
  • Rockwood II: Teilzerreißung des Kapsel-/Bandapparates (Ruptur der akromioklavikularen Bänder) mit Teilverrenkung des Schultereckgelenkes (entspricht Tossy II).
  • Rockwood III: Zerreißung des kompletten Kapsel-/Bandapparates (Ruptur der akromioklavikularen Bänder und der korakoklavikularen Bänder) mit vollständiger Verrenkung des Schultereckgelenkes in der Vertikalebene nach kopfwärts sog. Schultereckgelenksprengung(entspricht Tossy III).
  • Rockwood IV: Das seitliche Schlüsselbeinende verrenkt sich in der Horizontalebene. Dabei kann es sich im M. trapezius verhaken.
  • Rockwood V: Extremer Schlüsselbeinhochstand mit ausgedehnter Ablösung der Muskelansätze am seitlichen Schlüsselbeinende.
  • Rockwood VI: Verrenkung des seitlichen Schlüsselbeinendes fußwärts unter das Korakoid.

Grundsätzlich ist bei Tossy I und II keine operative Therapie angezeigt, sondern die konservative Versorgung mittels Gilchristverband oder Desault-Verband zusammen mit Physiotherapie und Analgesie. Tossy III kann bei jüngeren Patienten (<35 Jahre) operiert werden. Bei Begleitverletzungen oder wenn eine konventionelle Therapie nicht indiziert ist, stehen je nach Ausprägung der Verletzung mehrere Operationssysteme zur Verfügung: Kirschnerdraht, Drahtschlinge (Cerclage), Hakenplatte, Bosworth-Schraube, TightRope-System (minimal-invasive OP-Technik).

Quelle:  Die obige Beschreibung stammt teilweise aus dem Wikipedia-Artikel  “Schultereckgelenksverrenkung”, lizenziert gemäß CC-BY-SA. Eine vollständige Liste der Autoren befindet sich hier

Avatar of K-H. Szeifert

Autor: K-H. Szeifert

Ich bin leitender MTRA in der GRN-Klinik Schwetzingen (Rhein-Nrckar-Kreis) Nebenberuflich arbeite ich bei der Fa. "Medical Solutions - Lonsing GmbH " in Sinsheim als Dozent für Strahlenschutzkurse, Röntgeneinstelltechnik, Workshops usw. [www.medical-solution-team.de] Daneben unterstütze ich noch Sebastians und Adrians "MTA-R.de Projekt".

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5 Kommentare

  1. Keven Karmoll
    Jun 26, 2012 @ 14:11:44

    Hallo,
    erstmal sehr gut erklärter Artikel.
    mein frage dazu ist: Wenn man eine Tossy 3 Verletzung hat und dementsprechend Operiert werden muss mit dem Kirschnerdraht, wie lange ist hier die Heilungszeit bzw die Arbeitsunfähigkeit?

    MfG

    Antworten

    • Avatar of K-H. Szeifert K-H. Szeifert
      Jun 26, 2012 @ 17:53:02

      Hallo
      dies ist eindeutig eine Frage, die von einem Arzt zu beantworten ist. Dazu wollen und dürfen wir uns als MTA-R nicht festlegen. Wir bitten hierzu um Verständnis und empfehlen die Frage einem Chirurgen zu stellen!
      Viele Grüße

      Antworten

    • tossy drei opfer mit op.
      Sep 25, 2012 @ 18:05:35

      em also ich habe im moment tossy 3/ wurde auch schon operiert.
      mir wurde ne kordel + nen k-draht eingebastel sag ich mal einfach nach 6 wochen soll der draht raus also alles im allem denke ich so gute 3 -6 monate wird es alles dauern. bist du den oder deinem arm wieder voll belasten kannst das kann bis zu jahren dauern ist ja von mensch zu mensch verschieden ah genau ca 6 monate wirse wohl krankgeschrieben je nach art von diesem job den du hast

      Antworten

  2. Avatar of Adrian Adamiok Adrian Adamiok
    Feb 16, 2012 @ 11:30:28

    Super Artikel!

    Leider ist das Bild mit der Panoramaaufnahme nicht mehr ganz alltäglich. Man soll doch 2 Einzelne Aufnahmen nach Strahlenschutz machen!

    Bis denne

    Antworten

    • Avatar of K-H. Szeifert K-H. Szeifert
      Feb 16, 2012 @ 15:17:13

      @ Adrian,
      da hast Du natürlich Recht! Man kann sogar noch weiter kritisieren: Wenn bereits eine Aufnahme der Schulter zum Frakturausschluß vorliegt, könnte (sollte) man bei einem digitalen System die Stressaufnahme als Low-Dose-Aufnahme anfertigen.

      Antworten

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