Wie groß ist die natürliche Strahlenexposition in Deutschland?

rockpop 10 Dec, 2011 10:00

Bei vielen Menschen erzeugt der Begriff "Radioaktivität" Unbehagen. Die von radioaktiven Stoffen ausgesandte ionisierende Strahlung wird häufig als bedrohlich empfunden, unabhängig davon, wie stark sie ist und woher sie stammt. Dabei wird oft vergessen, dass jeder Mensch auf der Erde auf natürliche Weise ionisierender Strahlung ausgesetzt ist. Niemand kann sich ihr entziehen. Ursache dafür sind Strahlenquellen, die in der Natur unabhängig vom Menschen entstanden sind und existieren.

Die gesamte natürliche Strahlenexposition in Deutschland beträgt durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr (effektive Dosis). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie im einzelnen von einem bis zu zehn Millisievert.



Die natürliche Strahlenexposition setzt sich aus inneren und äußeren Komponenten zusammen. Die innere Komponente macht den Hauptanteil der natürlichen Strahlenexposition aus. Über die Atemluft und die Nahrung nimmt der Mensch seit jeher natürliche radioaktive Stoffe in den Körper auf. Die Inhalation des radioaktiven Edelgases Radon mit seinen Folgeprodukten bewirkt im Durchschnitt pro Jahr eine Strahlenexposition von 1,1 Millisievert. Mit der Nahrung werden natürliche Radionuklide aus den radioaktiven Zerfallsreihen des Thoriums und Urans sowie das Kalium-40 aufgenommen; dadurch kommen im Mittel jährlich 0,3 Millisievert hinzu.



Die unterschiedliche Verteilung der natürlichen Radioaktivizät in Deutschland



Die äußere Strahlenexposition beträgt circa ein Drittel der gesamten natürlichen Strahlenbelastung - rund 0,7 Millisievert im Jahr. Sie beinhaltet etwa zur Hälfte die kosmische Strahlung. Diese gelangt von der Sonne und aus den Tiefen des Weltalls zur Erde und besteht im wesentlichen aus energiereichen Teilchen und aus Gammastrahlung. Auf ihrem Weg durch die Lufthülle wird die kosmische Strahlung teilweise absorbiert. Die Intensität der kosmischen Strahlung hängt somit von der Höhenlage ab. Sie ist auf Meeresniveau am niedrigsten und nimmt mit der Höhe eines Ortes zu. Auf der Zugspitze ist sie viermal höher als an der Küste.

Zur äußeren Strahlenexposition zählt auch die terrestrische Strahlung. Ihre Ursache sind natürliche radioaktive Stoffe, die in den Böden und Gesteinsschichten der Erdkruste vorhanden sind - in unterschiedlichen Konzentrationen und auch regional sehr unterschiedlich. Steine und Erden sind wiederum wichtige Rohstoffe für mineralische Baumaterialien wie zum Beispiel Ziegel und Beton. Die darin enthaltenen Radionuklide gehen in die Baustoffe über und tragen auf diese Weise beim Aufenthalt in Häusern ebenfalls zu einer äußeren Strahlenexposition bei. Die durch die terrestrische Strahlung verursachte jährliche effektive Dosis der Bevölkerung beträgt im Bundesgebiet im Mittel etwa 0,4 mSv, davon entfallen auf den Aufenthalt im Freien circa 0,1 mSv und auf den Aufenthalt in Gebäuden etwa 0,3 mSv.

Auf den Menschen wirkt heutzutage neben der natürlichen Strahlenexposition auch ionisierende Strahlung aus medizinischer und technischer Anwendung ein. Die mittlere effektive Dosis der sogenannten "zivilisatorischen Strahlenexposition" beträgt in Deutschland ca. 2,0 Millisievert pro Jahr.

Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz



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