Uromas strahlende Energy-Drinks

Revigatoren, Ionic Charger und Radithor 1411

Karl-Heinz Szeifert 14 Nov, 2018 00:00

Etwa ab 1920 war der sogenannte "Revigator" in Mode gekommen. Dabei handelte es sich um Maschinen und Apparate verschiedener Bauart und Ausführung, die alle einem Zweck dienten: Radioaktives Radon-Gas ins Trinkwasser zu pumpen.

Abb.1 Revigatoren - Drei schöhne Exemplare!

So bereiteten sich Uroma und Oma ein prickelndes, angeblich gesundes, aber wohl kaum belebendes Mineralwasser ähnliches Getränk. Um 1920, als die gesundheitlichen Effekte von Radioaktivität sehr positiv eingeschätzt wurden, kamen innen mit radiumhaltigem Erz beschichtete Wassergefäße in den Handel. Hunderttausende solche „Revigatoren(Abb.1) sollen verkauft worden sein.

Abends füllte man den Revigator mit Wasser. Es reicherte sich über Nacht mit dem radioaktiven Edelgas Radon aus der Beschichtung an. - Am Morgen getrunken, sollte das Wasser die Lebenskraft steigern. Sechs Gläser pro Tag wurden empfohlen.


Gerade Radon galt als zu damaliger Zeit als heilbringend. In der Krankheits-Prophylaxe und in der Rehabilitation nach schweren Verletzungen wurde radioaktives Wasser etwa von 1920 bis Mitte der dreißiger Jahre in relativ hoher Konzentration oral verabreicht. "Radithor" (Abb. 2) , das damals populärste Produkt, sorgte 1932 für Schlagzeilen und einen handfesten Medizin-Skandal. Das makabrerweise auch in der Tumor-Prophylaxe eingesetzte Mittelchen entpuppte sich als Auslöser von Krebserkrankungen im Kopf-, Rachen- und Halsbereich.

Abb. 2

(Abb. 2) "Radithor" (ca. 1928) - ca. 14 g dreifach destilliertes Wasser mit Radium-226 und Radium-228 versetzt.


Unzweifelhaft ist der Tod des amerikanischen Geschäftsmannes und Golf-Champions Eben Byers mit der Anwendung von "Radithor" verknüpft. 1928 begann Byers auf Empfehlung seines Arztes mit der Einnahme von "Radithor" zum Auskurieren einer Unfallverletzung. Auch nach Ausheilung der Verletzung behielt Byers die "milde" Radiumtherapie bei und trank durchschnittlich drei Flaschen "Radithor" täglich.

Erst nach dem Auftreten von Zahnausfall und von Wunden an der Schädeldecke beendete Byers im Jahre 1930 die "Radithor"-Anwendung. Sein Tod im Jahre 1932 alarmierte die Mediziner und die Öffentlichkeit. Erst jetzt begann endlich die breite Öffentlichkeit, die von solcher Art missbräuchlicher Verwendung des Radiums ausgehenden Gefahren zu erkennen. Daraufhin verschwand das Mittel auch sehr schnell vom Markt.


Abb. 3 "Gable Ionic Charger"

Die Mode, Wasser radioaktives Gas zuzusetzen, war damit aber noch lange nicht am Ende. Noch 1965 brachte die "Ionic Research Foundation" einen obskuren Apparat auf den Markt, der die Verstrahlung des Trinkwassers perfektionierte. Der "Gable Ionic Charger" (Abb. 3) bestand aus nicht viel mehr als einer mit 0,3 mCi Radium-226 gefüllten Hohlwalze aus Blei, die mit einem Schlauch und Blasebalg verbunden war.

Im Prozess des Zerfalles entsteht aus Radium-226 das radioaktive Edelgas Radon-222. Das Ende des Schlauches hängte man nun in ein Wasserglas, während man den kleinen Blasebalg "einige Dutzend Mal" betätigte. Schon, so versprach die Werbung, konnte man "die Radon-Bläschen im Glas aufsteigen sehen".

Die Firma empfahl ihre Strahlenwalze nicht nur zur Aufbereitung von Trinkwasser, sondern auch "zum Wässern von Pflanzen, von Saatgut und zum Tränken von Tieren". Der Standard-Preis für den "Gable Ionic Charger" betrug 575 US-Dollar, Bildungseinrichtungen erhielten einen 40% Rabatt.

Die Kundschaft wusste der Hersteller in markigen Worten zu beruhigen: Das Verfahren sei sicher, weil man ja nur das Gas einnehme, und "nicht das metallische Element". Überhaupt hätte "die derzeitige Generation von Fachleuten" durch das "bürokratische Geschrei über Fall-Outs" eine "Gehirnwäsche" erlitten und die Gesundheitsgeheimnisse "der berühmten Bäder vergessen".

Der "Gable Ionic Charger" hatte die Zeit nicht mehr, zu einem Markterfolg zu werden, wurde stattdessen zum letzten Apparat seiner Art. Kurz nach dem Beginn des Verkaufes warnten die US-Behörden vor dem Gerät und den falschen, gefährlichen Versprechungen seiner Hersteller. Den Warenbestand ließen sie beschlagnahmen.


Quelle: www.orau.org

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