TIPP: KBV-Broschüre

Mammographien regelrecht erstellen

kszeifert 29 May, 2018 00:00

In einer 30-seitigen Broschüre möchte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Ärzten und radiologischen Fachkräften Hinweise an die Hand geben, wie sie Mammographie-Aufnahmen in der erforderlichen Qualität erstellen können.  

Dazu wurden die im Rahmen von Qualitätsprüfungen zur kurativen Mammographie festgestellten Mängel in der Bildqualität im Einzelnen aufgeführt und es werden Empfehlungen gegeben, wie sich diese Fehler vermeiden lassen.

Die Broschüre soll dabei jedoch Maßnahmen zur Fehlervermeidung, wie Fortbildungen und Schulungen, nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Die Überprüfung der ärztlichen Dokumentation ist Teil der Qualitätssicherung im Bereich der Mammographie.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen fordern dazu von allen Vertragsärzten, die eine Genehmigung zur Durchführung von Mammographien besitzen, regelmäßig Aufnahmen und schriftliche Dokumentationen von jeweils zehn Patientinnen an.
Hierbei werden insbesondere die Vollständigkeit und die Präzision der Darstellung überprüft. Die KBV hat auf der Grundlage der Qualitätsprüfungen für die Jahre 2006 bis 2008 bundesweite statistische Analysen durchgeführt, in die über 79.000 MammographieAufnahmen aus etwa 20.000 Untersuchungen (Patientinnen) eingingen. Insgesamt konnte dabei die hohe Qualität in der kurativen Mammographie bestätigt werden: 88 Prozent der Mammographie-Aufnahmen sind regelgerecht, d. h. sie entsprechen den bundesmantelvertraglichen Qualitätsvorgaben.

Bei 11 Prozent der Aufnahmen wurden geringe, bei etwas über einem Prozent schwerwiegende Mängel festgestellt. Dabei treten die Mängel überwiegend bei Medio-lateral-oblique-Aufnahmen (mlo) auf, seltener bei Cranio-caudal-Aufnahmen (cc). Die hauptsächlichen Beanstandungsgründe sind eine unklare Darstellung der inframammären Falte (mlo) und inadäquate oder unvollständige Darstellungen von Pektoralismuskel (mlo), Mamille (mlo, cc) und Brust (mlo, cc).

ohne Mängel

Die Auswertung zeigt, dass eine unvollständige Darstellung mit Abstand am häufigsten bemängelt wurde – insbesondere bei mlo-Aufnahmen. Probleme bei der Präzision der Darstellung tauchen seltener und unabhängig von der Projektionsebene auf. Mängel bei formalen Anforderungen, wie korrekte Beschriftung, treten vereinzelt auf.

Durch eine fehlerhafte Einstelltechnik sind entweder Areale – unter Umständen mit diskreten Veränderungen – nicht dargestellt oder es können Karzinome in der Darstellung nicht erkannt werden, weil die diagnostische Bildqualität nicht optimal ist. In einer Untersuchung von Intervall-Karzinomen aus einem Mammographie-Screening-Programm konnte der Verdacht bestätigt werden, dass eine schlechte Bildqualität oft eine niedrige Sensitivität zur Folge hat, dies insbesondere mangels einer korrekten Positionierung der Brust...

Zu jedem Mangel werden folgende Fragen gestellt und beantwortet

  1. Was bedeutet das?
  2. Wie wirkt sich das auf die diagnostische Bildqualität aus?
  3. Wie oft tritt dieser Mangel in der Bildqualität auf?
  4. Wie lässt sich das vermeiden?

Die komplette Broschüre der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gibt es hier:


Ein kleiner Auszug aus der Broschüre über die Mängelliste

Häufigkeit festgestellter Mängel in der Mängelanalyse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für mlo-Aufnahmen (oben) und cc-Aufnahmen (unten). Zu beachten ist der unterschiedliche Maßstab der Ordinate.

1. mlo-Ebene

Geringer Mangel

1.1 Inframammäre Falte nicht klar dargestellt
1.2 Pektoralismuskel nicht im richtigen Winkel abgebildet
1.3 Pektoralismuskel nicht bis in Höhe der Mamille abgebildet

Schwerwiegender Mangel
1.4 Unvollständige Abbildung der Brust
1.5 Pektoralismuskel nur am Rand erfasst

2. cc-Ebene

Geringer Mangel
2.1 Inadäquate Abbildung der Brust (Pectoralis-Nipple-Line)
2.2 Größere Anteile des axillären Ausläufers nicht abgebildet
2.3 Mamille zeigt mehr als 20 Grad nach medial oder laterall

Schwerwiegender Mangel
2.4 Axillärer Ausläufer fehlt und Mamille zeigt mehr als 20 Grad nach lateral

3. ebenenunabhängig

Geringer Mangel
3.1 Mamille nicht im Profil abgebildet
3.2 Ausgeprägte Hautfalten
3.3 Asymmetrie

Schwerwiegender Mangel
3.4 Artefakte mit Einschränkung der diagnostischen Aussage
3.5 Aufnahme über-/unterbelichtet oder mangelnder Kontras
3.6 Unzureichende Beschriftung
3.7 Unzureichende Kompression
3.8 Bewegungsunschärfe
3.9 Ausgeprägte Hautfalten mit Einschränkung der diagnostischen Aussage

Die 30-seitige Broschüre ist reich bebildert. Fehlaufnahmen und korrekt aufgenommene Aufnahmen sind immer gegenübergestellt und erklärt! Es gibt zu jeder Fehlermöglichkeit gut erklärte Tipps zu derer Vermeidung


Urteil von MTA-R: Sehr empfehlenswert. Sollte in keiner Abteilung fehlen, in der mammographiert wird.


Quelle und Link zur Broschüre: Mammographien regelgerecht erstellen - Hinweise für die Erstellung von Mammographien auf der Grundlage einer Mängelanalyse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (781 KB)

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