Teleradiologie: So geht's richtig!

kszeifert 27 Dec, 2016 19:10

Teleradiologische Untersuchungen sind in § 3 Abs. 4 der RöV geregelt und bedürfen der Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörden und sind an strenge Auflagen gebunden. In Bayern hat jetzt das Gewerbeaufsichtsamt Schwaben ein Merkblatt zur gesetzeskonformen Durchführung von teleradiologschen Untersuchungen herausgegeben, das wir im folgenden hier zitieren:

Bedingungen:

  • Teleradiologie darf nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde betrieben werden.
  • Maßgeblich sind die Bestimmungen des § 3 Abs. 4 der RöV
  • Teleradiologie ist nur im Notfall möglich. Nicht bei planbaren und verschiebbaren CT-Untersuchungen! ​

Organisatorischer Ablauf der teleradiologischen Notfallversorgung

1. Ermittlung notwendiger Daten vor Ort

Der Arzt vor Ort muss alle relevanten Informationen zur rechtfertigenden Indikation sammeln (Anamnese, Klinik, Labor, frühere Röntgenuntersuchungen, Schwangerschaft, etc.) und klärt weiterhin im Vorfeld ab:

  • Kontraindikationen und die Verfügbarkeit der technisch durchführenden Person (muss MTRA sein),
  • das Einverständnis des Patienten mittels Fragebogen und stellt dann die vorläufige Indikation für die Untersuchung. Ist der Patient nicht geschäftsfähig, ist dies zu dokumentieren.

2. Kontaktaufnahme mit dem CT-fachkundigen Teleradiologen

Der Arzt vor Ort muss alle notwendigen Informationen zur Erstellung einer rechtfertigenden Indikation schriftlich (ggf. vorab telefonisch) übermitteln, insbesondere:

  • die Anamnese und klinische Fragestellung,
  • Möglichkeiten für alternative Untersuchungen (Ultraschall, MR etc.)
  • Vorerkrankungen und Voruntersuchungen, usw.

Erst nach dieser Abklärung erfolgen die rechtfertigende Indikation zur Untersuchung und die Freigabe durch den fachkundigen Teleradiologen.

Alle Angaben zur rechtfertigenden Indikation sind vom Arzt vor Ort zu ermitteln und festzuhalten und dem Teleradiologen schriftlich über das Datenportal oder per Fax auf einem Standardformular zu übermitteln.

3. Durchführung

Der Teleradiologe ist gegenüber allen an der Untersuchung beteiligten Personen weisungsbefugt und weist die durchführende Person vor Ort an, nach welchem Standarduntersuchungsprotokoll (ggf. mit welchen Abweichungen) die Untersuchung zu erfolgen hat.

Der Arzt vor Ort muss während der gesamten Untersuchung am CT anwesend sein, um

  • den Patienten ärztlich zu überwachen und Kontrastmittelzwischenfälle zu beherrschen
  • ggf. eine Sedierung bei Unruhe des Patienten vorzunehmen
  • ggf. Komplikationen während der Untersuchung mit dem Teleradiologen telefonisch zu klären.

Die technisch durchführende Person (ausschließlich MTRA)

  • kontrolliert arbeitstäglich die Funktion der Datenübertragung und die monatliche Konstanzprüfung
  • führt die Untersuchung gemäß dem vorgegebenen Standardprotokoll durch
  • fertigt die notwendigen Rekonstruktionen an
  • bereitet die relevanten Bilder zur Übermittlung vor und übermittelt diese
  • dokumentiert die Untersuchung gemäß § 28 RöV im Datenportal bzw. in der „Teleradiologieliste“

4. Datenübertragung

Die Übermittlung der Daten ist durch die technisch durchführende Person bis zum Abschluss zu überwachen. Auch relevante Voraufnahmen sind zu übermitteln, sofern diese digital verfügbar sind oder verfügbar gemacht werden können (z.B. Röntgenbildscanner).

5. Befunderstellung

Sofort nach Übermittlung der Bilder erstellt der Teleradiologe den Befund. Dieser wird der anfordernden Stelle schnellstmöglich in schriftlicher Form (über das Portal oder per Fax) rückübermittelt. Abhängig von der medizinischen Dringlichkeit erfolgt ein telefonischer Vorabbefund.

6. Ausfall- und Notfallkonzept

Bei Fehlfunktion der CT-Einrichtung mit Gefahr für Patient oder Personal: - Gerät mittels NOT-AUS abschalten und Abklärungen mit dem Teleradiologen und dem Strahlenschutzbeauftragten.

Bei Ausfall interner oder externer teleradiologischer Komponenten: - Abklärungen mit dem Teleradiologen und dem Strahlenschutzbeauftragten.

Hinweis: Diese Information beschreibt den Ablauf in groben Zügen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitergehende Festlegungen sind im Einzelfall notwendig. Teleradiologie darf nur mit Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörden betrieben werden.

Quelle: Regierung von Schwaben (Bayern) Gewerbeaufsichtsamt

Auszug RöV § 3 Abs. 4 Teleradiographie

(4) Für eine Genehmigung zum Betrieb einer Röntgeneinrichtung zur Teleradiologie müssen zusätzlich zu den Absätzen 2 und 3 folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
Es ist gewährleistet, dass 1. eine Person nach § 24 Abs. 1 Nr. 1,

(die als Ärzte approbiert sind oder denen die Ausübung des ärztlichen Berufs erlaubt ist und die für das Gesamtgebiet der Röntgenuntersuchung oder Röntgenbehandlung die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzen)

die sich nicht am Ort der technischen Durchführung der Untersuchung befindet, nach eingehender Beratung mit dem Arzt nach Nummer 3 die rechtfertigende Indikation nach § 23 Abs. 1 für die Anwendung von Röntgenstrahlung am Menschen stellt, die Untersuchungsergebnisse befundet und die ärztliche Verantwortung für die Anwendung der Röntgenstrahlung trägt,

2. die technische Durchführung durch eine Person nach § 24 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 erfolgt,

Die technische Durchführung ist neben den in Absatz 1 genannten Personen ausschließlich 
erstens Personen mit einer Erlaubnis nach § 1 Absatz 1 Nummer 2 des MTA-Gesetzes vom 2. August 1993 (BGBl. I S. 1402), das zuletzt durch Artikel 23 des Gesetzes vom 2. Dezember 2007 (BGBl. I S. 2686) geändert worden ist, zweitens Personen mit einer staatlich geregelten, staatlich anerkannten oder staatlich überwachten erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung, wenn die technische Durchführung Gegenstand ihrer Ausbildung und Prüfung war und sie die erforderliche Fachkunde im Strahlenschutz besitzen,

3. am Ort der technischen Durchführung ein Arzt mit den erforderlichen Kenntnissen im Strahlenschutz vorhanden ist, der insbesondere die zur Feststellung der rechtfertigenden Indikation erforderlichen Angaben ermittelt und an die Person nach Nummer 1 weiterleitet sowie den Patienten aufklärt,

4. die Person nach Nummer 1 mittels Telekommunikation unmittelbar mit den Personen nach den Nummern 2 und 3 in Verbindung steht,

5. die elektronische Datenübertragung und die Bildwiedergabeeinrichtung am Ort der Befundung dem Stand der Technik entsprechen und eine Beeinträchtigung der diagnostischen Aussagekraft der übermittelten Daten und Bilder nicht eintritt und

6. die Person nach Nummer 1 oder in begründeten Fällen eine andere Person nach § 24 Abs. 1 Nr. 1 innerhalb eines für eine Notfallversorgung erforderlichen Zeitraumes am Ort der technischen Durchführung eintreffen kann.

Die Genehmigung zum Betrieb einer Röntgeneinrichtung zur Teleradiologie ist auf den Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst zu beschränken. Sie kann über den Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst hinaus erteilt werden, wenn zusätzlich zu den Voraussetzungen nach Satz 1 ein Bedürfnis im Hinblick auf die Patientenversorgung besteht. Eine Genehmigung nach Satz 3 ist auf längstens drei Jahre zu befristen.

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