Grundwissen

Spondylolisthesis (Wirbelgleiten)

rockpop 7 Apr, 2018 23:52

Eine Spondylolisthesis, umgangssprachlich ein Wirbelgleiten oder eingedeutscht eine Spondylolisthese genannt, ist eine Instabilität der Wirbelsäule, bei der das obere Teilstück der Wirbelsäule mit dem Gleitwirbel über den darunter liegenden Wirbelkörper nach ventral (nach vorn) gleitet.

Oftmals ist die Spondylolisthese ein Zufallsbefund, oder nur mit geringen Beschwerden verbunden. Je nach Stärke des Wirbelgleitens können aber langfristig einzelne oder mehrere Nerven im Spinalkanal eingeklemmt und gedehnt werden. Dies kann Nervenschäden verursachen und zum Funktionsausfall eines Nervs führen. Es können Lähmungen auftreten, die sowohl die Beine als auch die Funktion von Blase und Mastdarm betreffen. Gleichzeitig verschleißen Bandscheibe (Bandscheibenvorfall) sowie Wirbelgelenk (Spondylarthrose) im entsprechenden Segment übermäßig, was teils starke Schmerzen verursachen kann.


Bildgebende Diagnostik

Die Spondylolisthese erkennt man auf konventionellen Röntgenaufnahmen auf der Seitaufnahme.

Manche Wirbelsäuleninstabilität ist auf normelen Seitaufnahmen nicht zu erkennen, sondern ist erst in Vor- oder Rückbeugung des Rumpfes auffällig. In diesen Fällen helfen so genannte Funktionsaufnahmen der Wirbelsäule in Vor- und Rückbeugung des Rumpfes.

Der Spondylolysedefekt lässt sich am besten auf Schrägaufnahmen der Lendenwirbelsäule als „Halsband der Hundefigur“ oder in einer Computertomographie (CT) erkennen.

Die Schnittbilddiagnostik (CT und MRT, entweder mit oder ohne Kontrastmittel) ermöglicht die Zuordnung des Schmerzes zu einem bestimmten Nerven oder einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt.

Mit Hilfe einer CT (Computertomographie) Untersuchung lassen sich insbesondere weitergehende Fragen bezüglich der knöchernen Struktur beantworten (z.B. Spondylolysen (Wirbelgleiten), Spinalkanalstenose, Wirbelkörperbruch).

Noch wertvoller in der Wirbelsäulendiagnostik ist hingegen die MRT (Magnetresonanztomographie), die neben den knöchernen Strukturen, deutlich besser als die CT, auch die Weichteilstrukturen (Bandscheiben, Nervenwurzeln, Bänder) darstellt. Alle o.g. Erkrankungen können mit der MRT erkannt und einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt zugeordnet werden.

MR- Bild rechts:

  • Wirbelgleiten L5/S1 seitlich im MR.
  • Die Wirbel sind um 18 mm versetzt (Stadium 2–3).
  • Die Bandscheibe ist stark deformiert, der Bandscheibenraum L5/S1 stark höhenreduziert.
  • Der Rückenmarkskanal ist jedoch frei.

Schweregrade

Man unterscheidet nach Meyerding (MD) vier Schwerestadien:

  • MD I°: Versatz der Wirbelkörper zueinander um weniger als 25 % der Wirbelkörpertiefe,
  • MD II°: Versatz um 25–50 %,
  • MD III°: Versatz um 50–75 %,
  • MD IV°: Versatz um mehr als 75 %.

Konservative Therapie

Wirbelgleiten L4/L5

In nahezu allen Fällen wird mit der konservativen Therapie begonnen. Zunächst wird zur vorübergehenden Stützung des Rumpfes eine geeignete Rumpforthese vom Arzt verordnet. Nur bei positivem Szintigramm muss vorübergehend eine Gipsbehandlung erfolgen. Um langfristig ohne eine Orthese auszukommen, den mechanischen Stress im betroffenen Segment zu mindern und einen erheblich besseren Stützeffekt zu erreichen, wird eine Stabilisation der Muskulatur durch Physiotherapie (Krankengymnastik und Krankengymnastik am Gerät) verfolgt; hierbei soll die statische Rumpfaufrichtung durch Kräftigung der Bauchmuskulatur forciert werden. Parallel ist zu kontrollieren, ob Defizite in der Gleichgewichtsregulation vorliegen; die Regulation derselben soll in den Beinen stattfinden und nicht in der Wirbelsäule. Diese Fehlregulation ist oftmals am Wirbelgleiten auslösend mitbeteiligt und kann leicht behoben werden. Nach positivem Muskelaufbau mit Schmerzlinderung (cave! keine Muskelrelaxantien, da die statische Muskulatur dringend gebraucht wird, um Verschlimmerung zu vermeiden) sollte konstant ein Erhaltungstraining erfolgen. Trainingsbegleitend kann eine Schmerzbehandlung mittels Infiltrationstherapie oderPRT durch den Arzt erfolgen. Auch medizinische Massagen können kurzfristig schmerzlindernd wirken.

Operative Behandlung

Sollten die Schmerzen konservativ nicht beherrscht werden können, ein wesentliches neurologisches Defizit (chronische Nervenschädigung) oder ausgeprägte statische Haltungsschäden auftreten, das Wirbelgleiten stark fortschreiten oder der höchste Schweregrad erreicht werden, bleibt oft nur die operative Behandlung. Der Chirurg muss das Segment nach Möglichkeit reponieren (an die ursprüngliche Sollposition zurückführen) und anschließend verblocken (Spondylodese). Dieser größere Eingriff wird üblicherweise über einen vorderseitigen (ventralen) und einen rückwärtigen (dorsalen) Wirbelsäulen-Zugang und in einer oder in zwei Sitzungen durchgeführt. Ob eine Operation wirklich erforderlich ist und welches Verfahren angewendet wird, hängt jedoch von der Symptomatik ab und wird vom behandelnden Arzt festgelegt.


Quellen:


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