Röntgen "JA" - aber bitte kritisch hinterfragen!

kszeifert 14 Jul, 2011 10:00

Ein Knochenbruch, eine schwere Kopfverletzung, verengte Herzkranzgefäße – erst radiologische Verfahren machen viele Verletzungen und Erkrankungen sichtbar. Ihr Nutzen ist hoch – wenn sie richtig eingesetzt werden. Auf der anderen Seite können sie das Krebsrisiko erhöhen. Darum sollten Patienten kritisch nachfragen, bevor sie sich der Strahlung aussetzen.

Eine Untersuchung ist dann von Nutzen, wenn sich der aus ihr resultierende positive oder negative Befund auf die Therapie auswirkt oder die Verdachtsdiagnose des Arztes bestätigt bzw. ausschließt. Einige radiologische und nuklearmedizinische Untersuchungen erfüllen diese Anforderungen nicht und können zu einer unnötigen Strahlenexposition des Patienten beitragen.

Die Strahlenschutzkommission gibt hierzu in ihrer Orientierungshilfe für bildgebende Untersuchungen Unterstützung, wie man viele Röntghenuntersuchungen einsparen kann.
Wer sich bereits im Vorfeld die folgenden Fragen stellt, kann viele Untersuchungen einsparen, ohne dass die Qualität der Patientenversorgung darunter leidet:


1.  Wiederholung von Untersuchungen, die bereits zuvor durchgeführt wurden, z.B. in einem anderen Krankenhaus oder ambulant
In diesem Fall sollte alles versucht werden, die zuvor angefertigten Aufnahmen zu erhalten. In Zukunft könnte hierbei die Übertragung elektronischer Daten hilfreich sein.
WURDE DIESE ART VON UNTERSUCHUNG SCHON EINMAL DURCHGEFÜHRT?

2.  Durchführung von Untersuchungen, deren Befunde vermutlich keinen Einfluss auf die Behandlung haben
Dies gilt für Untersuchungen, bei denen entweder der erwartete „positive“ Befund im Normalfall irrelevant ist (z.B. ist der Befund der „degenerativen Wirbelsäulenveränderungen“ ab dem mittleren Alter so „normal“ wie graue Haare), und für Untersuchungen, bei denen ein positiver Befund äußerst unwahrscheinlich ist.
IST DIESE UNTERSUCHUNG WIRKLICH ERFORDERLICH?

3.  Zu häufige Untersuchungen,
d.h., bevor eine Progression oder eine Rückbildung der Erkrankung zu erwarten ist oder bevor die Ergebnisse einen Einfluss auf die Therapie haben können.
IST DIESE UNTERSUCHUNG JETZT ERFORDERLICH?

4.  Anforderung des falschen Diagnoseverfahrens
Die bildgebenden Verfahren entwickeln sich rasch weiter. Häufig kann es von Nutzen sein, die geplante Untersuchung mit einem Radiologen oder Nuklearmediziner zu besprechen, bevor sie angefordert wird. Über das adäquate Untersuchungsverfahren entscheidet der anwendende Arzt.
IST DIES DAS AM BESTEN GEEIGNETE VERFAHREN?

5.  Zweckdienliche klinische Informationen und die Fragen, die das bildgebende Verfahren klären soll, werden nicht mitgeteilt.
Derartige Versäumnisse können dazu führen, dass die falsche Technik angewendet wird (z.B. das Weglassen eines wesentlichen Strahlengangs).
LIEGEN DIESE INFORMATIONEN VOR?

6.  Zu häufige Anwendung
Manche Ärzte verlassen sich häufiger auf bildgebende Verfahren als andere. Manche Patienten lassen sich gerne untersuchen.
WERDEN ZU VIELE UNTERSUCHUNGEN DURCHGEFÜHRT?

Die Grundsätze des Strahlenschutzes schreiben eine Vermeidung aller unnötigen Strahlenexpositionen vor, und alle verantwortlichen Organisationen und Individuen haben diese Regeln zu beachten. Der effektivste Weg, die Bevölkerungsdosis niedrig zu halten, ist die Vermeidung unnötiger Röntgenuntersuchungen (ganz besonders unnötiger Wiederholungsuntersuchungen!) sowie die Wahl angemessener dosissparender Untersuchungsverfahren. Andererseits darf es nicht dazu kommen, dass notwendige Untersuchungen aus „Strahlenangst“ unterlassen werden.


Wie gut, dass es Röntgen gibt!

Röntgenstrahlung ist eine ionisierende Strahlung, die auch in der Natur auftritt. Dargestellt wird die „effektive Dosis“, der ein Mensch ausgesetzt ist, in Millisievert. Die durchschnittliche natürliche Belastung beträgt nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter pro Jahr rund 2,1 Millisievert. Zum Vergleich: Bei einer Computertomografie (CT)-Schädelaufnahme eines Standardpatienten entstehe eine effektive Dosis von 2 bis 4 Millisievert, sagt der Radiologe Christoph Heyer vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. Bei einer Röntgenaufnahme wären es 0,03 bis 0,1 Millisievert.

Das bedeute allerdings nicht, dass Patienten Röntgenaufnahmen auf die leichte Schulter nehmen sollten, warnt Heyer: „Jede Aufnahme bedeutet Strahlung, und es gibt keinen unteren Grenzwert, bei dem wir Schäden ausschließen können.“
Jeder Radiologe ist daher gesetzlich verpflichtet, vor einer Aufnahme Nutzen und Risiken abzuwägen, sagt Reinhard Loose, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Klinikum Nürnberg-Nord.

Kritisch bewertet Loose den Einsatz der Röntgendiagnostik, wenn sie nur der Vorsorge „außerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen“ dient: „Das CT für einen reinen Gesundheits-Check ohne klinische Symptome oder hohe Risikofaktoren einzusetzen, wäre völlig falsch.“ Auch bei ernsthaften Erkrankungen sollten Patienten kritisch nachfragen, rät Christoph Heyer. Häufig würden Patienten zu sorglos an die Radiologie überwiesen.

Laut Wolfram König, Präsident des BfS, wird in Deutschland zu viel geröntgt. Patienten könnten jedoch selbst einiges dafür tun, die Zahl der Röntgenaufnahmen zu verringern. König rät, „sich vom Arzt die Notwendigkeit einer Röntgenuntersuchung und die Risiken erklären zu lassen.“ Wichtig sei zudem, den Arzt über frühere ähnliche Untersuchungen zu informieren und diese Aufnahmen mitzubringen. Außerdem sollte sich jeder Patient von seinem Arzt einen Röntgenpass ausstellen lassen und diesen zu jeder Untersuchung mitnehmen.

Quellen:   www.ssk.de


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