Fremdkörper verschluckt! - Was nun? - Wann röntgen?

rockpop 25 Aug, 2011 10:00

Bei gesunden Menschen im Erwachsenenalter ist das Verschlucken eines Fremdkörpers oder sogar dessen Steckenbleiben in der Speiseröhre eher unwahrscheinlich. Aber kleine Kinder benutzen statt ihrer Hände in den ersten beiden Lebensjahren häufig lieber den Mund, um die Welt um sich herum zu erkunden. Etwa 50 Prozent der Fälle von verschluckten Gegenständen ereignen sich in diesem Alter.  

Auch Erwachsene nutzen ihren Mund häufig "zweckfremd". Oft  wird z.B. zwischen den Lippen ein Gegenstand nur kurz festgehalten. Dass es dabei auch mal zum Verschlucken kommen kann, bedenken wenige. Sind Kinder in der Nähe, sollten die Erwachsenen mit gutem Beispiel vorangehen und statt des Mundes besser die Hände zum Festhalten von Nägeln, Reißzwecken, Büroklammern, etc. gebrauchen.



Im Normalfall werden die verschluckten Gegenstände auf natürlichen Weg wieder ausgeschieden - sie gehen also problemlos durch. Bei den Eltern tritt, insbesondere wenn Münzen verschluckt wurden, manchmal Besorgnis auf, wenn sie nämlich die Münze im Windelinhalt nicht finden können. Sie kommen dann besorgt zum Röntgen, um feststellen zu lassen, wo der Fremdkörper sich verkeilt haben mag.

Der Körper „verpackt“ diese Fremdkörper so perfekt im Darminhalt bzw. im Stuhlgang, dass diese nicht leicht zu entdecken sind. Um eine Münze im geformten kindlichen Stuhlgang zu finden, muss er schon sehr sorgfältig durchtastet werden.
Kleinere Gegenstände sind nahezu unauffindbar.


Endoskopische Entfernung einer verschluckten Zahnbürste - Foto: Wikipedia Endoskopische Entfernung einer verschluckten Zahnbürste - Foto: Wikipedia

Auch „gefährliche“ Fremdkörper wie z. B. Nadeln werden vom Darm meist problemlos transportiert, indem das stumpfe Ende vom Darm nach vorn in die Transportrichtung gedreht wird und die Nadeln auch geschickt  durch die Darmbiegungen dirigiert werden. Die Natur  hat es sehr geschickt eingerichtet, um zu verhindern, dass verschluckte Gegenstände im Verdauungstrakt stecken bleiben.

Der Eingang in die Speiseröhre - noch im Hals - ist die  üblicherweise engste Stelle des gesamten Magen-Darmtraktes. Was dort durchpasst, sollte  auch den Rest problemlos passieren können. Manchmal kommen die Eltern aber auch mit  ihrem Kind zum Röntgen, weil das Kind unruhig ist, schreit oder nicht mehr isst. Dann sollte auch die Möglichkeit einer Fremdkörperingestion bedacht werden.

Möglichkeiten der Fremdkörperlokalisation bzw. deren Erkennung, nachdem sie verschluckt sind bestehen in der Anfertigung einer Röntgenaufnahme.
Dies stellt eine sehr rasche und elegante Untersuchung dar.

Es müssen jedoch für eine aussagekräftige Untersuchung zwei Voraussetzungen bestehen:
1. Der zu suchende Gegenstand muss Eigenschaften haben, die ihn im Röntgenbild darstellen:
Metallische Fremdkörper sich da sehr geeignet (Münzen, Batterien, Magneten, Nadeln,
Schmuck...). Auch Glas, wenn es sich z. B. um Bleiglas handelt ist gut zu erkennen.
Nicht abgebildet werden können Holz und Kunststoffteile.
Konkretere Empfehlungen wann geröntgt werden sollte liefert die Orientierungshilfe für bildgebende Untersuchungen der Strahlenschutzkommission SSK im Kapitel K28 ff, sowie für Kinder im Kapitel M33.
Grundsätzlich ist es hilfreich, wenn die Eltern einen gleichartigen Fremdkörper (Spielstein, Ohrring...) zum Röntgen mitbringen, von dem sie den Verdacht haben, dass ihn das Kind verschluckt hat.


Verschluckte Fischgräte quer in der Speiseröhre steckend. Links in der Röntgenbreischluckuntersuchung während der Kontrastmittelpassage, rechts nach dem Schluck nur noch schemenhaft erkennbar (Pfeile). Foto: Wikipedia

2. Wenn man sicher sein will, den gesamten Bereich bzw. die Strecke, die ein Fremdkörper beim Durchwandern des Verdauungstrakts zurücklegt abgebildet zu sehen, dann heißt das bei verschluckten Fremdkörpern der Bereich von der oberen Halsregion (Schädelbasis) bis zum Beckenboden auch auf den Bildern oder dem Bild lückenlos und vollständig sichtbar ist. Wenn man nämlich Diagnostik betreibt, dann weiß man noch nicht genau, was man finden wird. (Wüsste man es, brauchte man keine Diagnostik mehr zu machen.)
Man muss also auf alle Überraschungen gefasst sein.

Grundsätzlich kann bei Fremdkörperingestionen, die ohne Beschwerden bestehen, abgewartet werden. Wenn Beschwerden wie Nahrungsverweigerung, kolikartige Bauchschmerzen oder Röcheln auftreten, dann sollte nach einer Komplikation bei Fremdkörperingestion gesucht werden.

Verschluckte Fremdkörper, die in den Magen gelangt sind, gehen je nach Größe meist auf natürlichem Wege wieder ab.

Bei Knopfzellen wird die Entfernung aus dem Magen empfohlen, da eine Zerstörung der Hülle durch die Magensäure und ein Freiwerden giftigen Inhalts befürchtet werden muss.
Grundsätzlich ist eine Entfernung bis in den oberen Dünndarm mittels Endoskopie möglich.
Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass man die Fremdkörper in Stuhlgang fast nie findet. (Sollte es sich bei dem verschluckten Fremdkörper um etwas sehr Wertvolles handeln, so kann man die gebrauchten Windeln sammeln und als Suchhilfe davon eine Röntgenaufnahme machen.

Quelle: Reinhard Schumacher: Bildgebung beim Jugendlichen: Verschluckte Fremdkörper  aus http://kind-und-radiologie.eu/pdf/archiv/heft11/heft11-artikel2.pdf
Prof. Dr. med. Reinhard Schuhmacher war bis 2008 Chefarzt der Kinderradiologe in der Universitäts-Kinderklinik in Mainz

Einen Artikel mit Beispielen von verschluckten Gegenstände speziell bei Kindern, sowie wann und in welcher Art und Weise diese röntgenologisch lokalisiert werden können  gibt es hier.

 


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Kommentare

K-H. Szeifert vor 5 Jahre

Richtig! Der Text stammt zum Teil von Prof. Schumacher aus der genannten Quelle.Falsch! Die Quellenangabe war und ist mit dem entsprechenden Link am Ende des Artikels angegeben. Um weitere Mißverständnisse zu vermeiden, haben wir den Link zur Quellenangabe jetzt noch um den Zusatz: "Reinhard Schumacher: Bildgebung beim Jugendlichen: Verschluckte Fremdkörper" ergänzt.

Dr. Peter Köhler vor 5 Jahre

Text scheint ohne Quellenangabe von Prof. Schumacher http://kind-und-radiologie.eu/pdf/archiv/heft11/heft11-artikel2.pdf übernommen worden zu sein.

Markovic vor 1 Jahr

Vielen Dank für diese detailierte Information.
Ich habe vor drei Tagen meine Brücke verschluckt und bislang ist sie noch nicht auf natürlichen Weg heraus gekommen. Wie lange kann sowas denn dauern?
Sie war an einer Stelle sehr scharfkantig! !! Hab allerdings keine Beschwerden.
Über eine Antwort würde ich mich freuen
N.Markovic

M.R. vor 7 Monate

Hey, ich glaube ich habe im übermüdeten Zustand meinen Silberring geschluckt. Ich wollte ihn nur kurz zwischen den lippen halten danach war er weg, hab nichtmal gemerkt wie ich ihn geschluckt habe oder so. Ich bin mir aber nicht ganz sicher wie gesagt ich war einfach übermüdet und überarbeitet. Könnte auch sein ich hab mir das eingebildet weil ich es halt schon öfter so gemacht habe, habe ihm aber in Wirklichkeit schlicht und ergreifend verloren oder er ist ins Klo gefallen oder was auch immer. Aufjedenfall wäre meine Frage dazu ob das irgendwie schlimm ist, und ob ich einen Chance habe das er auf natürlichem Wege wieder an Tageslicht zurückkert wenn ich ihn denn verschluckt habe :D
Lg M.R.