Basiswissen

Diagnostische Referenzwerte

kszeifert 27 Feb, 2018 18:19

Unter Referenzwerten versteht man Dosiswerte für typische Röntgenuntersuchungen bezogen auf Standardphantome und Standardpatienten.

So genannte "Standardpatienten" werden als "Patienten mit einem Gewicht von 70 +/- 3 kg" definiert. Nach § 28 RöV wird der Betreiber einer Röntgeneinrichtung verpflichtet, für alle Patienten die Strahlenexposition zu ermitteln, aufzuzeichnen und zu archivieren.

Die Dosisermittlung erfolgt in der konventionellen Diagnostik für jede Aufnahme über das Dosisflächenprodukt (DFP). Das Dosisflächenprodukt ist eine Messgröße in der Dosimetrie und Grundlage für die Berechnung der Strahlenbelastung während einer Röntgenaufnahme mit einem Röntgengerät (z.B. Durchleuchtung, Angiographie, Raster-Wand-Gerät, mobiler C-Arm usw.). Das Dosisflächenprodukt wird bisweilen auch Flächendosisprodukt (FDP) genannt.

Da in die Berechnung des Dosisflächenproduktes sowohl die exponierte Fläche wie auch die Dosis eingehen, ist der Wert dieser Größe vom Abstand zum Strahler unabhängig. Die Messung des DFP erfolgt mit Ionisationskammern, die am Strahlenaustrittsfenster des Röntgengerätes angebracht sind. Sie dokumentieren die Strahlendosis, der der Patient bei der Untersuchung ausgesetzt war. Das DFP ist für die Risikobeurteilung einer Strahlenexposition von großer Bedeutung. Die Maßeinheit ist das cGy*cm² (centi-Gray*Quadratzentimeter) bzw. Gy*cm² (Gray*Quadratzentimeter) oder in µGy*m²

Erfolgt in der konventionellen Diagnostik noch keine direkte Messung der Strahlenexposition mit einem Messgerät für das Dosisflächenprodukt , kann ersatzweise die Einfallsdosis nach DIN 6809- Teil 7 aus den fünf Parametern

  • Hochspannung (kV),
  • Strom- Zeit- Produkt (mAs),
  • Fokus-Haut-Abstand (FHA),
  • Filter und
  • (*)Dosisausbeutefunktion der Röhre der Anlage

berechnet werden.

(*) Die Dosisausbeutefunktion kann in den meisten Fällen vom Hersteller oder einem Sachverständigen mitgeteilt werden.)

Die vom Bundesamt für Strahlenschutz festgelegten diagnostischen Referenzwerte sollen mit ihren Dosisgrenzwerten der Strahlenoptimierung und Qualitätssicherung dienen. Durch sie sollen Situationen erkannt werden, in denen die Patientendosis ungewöhnlich hoch ist, die Ursache hierfür gesucht werden muss und Abhilfemaßnahmen zu erwägen sind.

Die Diagnostische Referenzwerte (DRW) stellen keine Grenzwerte für Patienten dar und gelten nicht für einzelne individuelle Untersuchungen.
Sie dienen in der radiologischen Diagnostik als Richtwerte; die Untersuchungen sollen so optimiert werden, dass die DRW im Mittel (mindestens 10 Untersuchungen der gleichen Aufnahmetechnik und Körperregion) nicht überschritten werden. Abweichungen im Einzelfall sind zu begründen, der Grund zu dokumentieren.

Die Ärztlichen Stellen haben die Aufgabe nach § 17a RöV, die Einhaltung der Referenzwerte bei der Patientenexposition anhand der von den Institutionen gemeldeten Dosiswerte zu überprüfen und die beständige, ungerechtfertigte Überschreitung der zuständigen Behörde (Landesamt für Strahlenschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit. LAGetSi) mitzuteilen.

Die diagnostischen Referenzwerte in der neuesten Version vom Bundesamt für Strahlenschutz Stand: 22. Juni 2016 gibt es als pdf-Datei hier.

Achtung: Die Werte in der Bekanntmachung des BfS werden in den Einheiten cGy*cm² bzw. µGy*m² angegeben. Diese beiden Einheiten haben die gleiche Größe. Werden andere Einheiten benutzt und gemessen können diese mittels einer Umrechnungstabelle damit verglichen werden:

Eine Umrechnungstabelle hierzu - erstellt vom Schweizer Bundesamt für Gesundheit - im Format: Microsoft Excel 97-2003 Worksheet (.xls) gibt es hier! -

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Kommentare

Ursula Trebbin vor 2 Monate

Meine Frage zu den DRW:
Ist es wirklich angemessen, von einem "erwachsenen Standardpatienten" von 70 Kg+/+ 3 kg auszugehen?
In meiner alltäglichen Praxis ist fast jeder 3. oder 4. Patient 90 kg und mehr schwer oder dick - wie man will.

Auf Antwort freut sich
Ursula Trebbin

kszeifert vor 2 Monate

Ich konnte jetzt auch keine eindeutige Antwort darauf finden, warum ausgerechnet der Wert von 70 Kg+/+ 3 kg für einem "erwachsenen Standardpatienten" angenommen wird. Aber auf irgendendeinen Wert muss man sich halt einigen.
Die letzten Statistiken vom Statistischem Bundesamt zum Durchschnittsgewicht der Deutschen beziehen sich auf die Ergebnisse des Mikrozensus 2013:
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/GesundheitszustandRelevantesVerhalten/Tabellen/Koerpermasse.html
Das Durchschnittsgewicht der Gesamtbevölkerung beträgt danach 76,3 kg!

Viele Grüße
Karl-Heinz Szeifert