Der Goiânia-Unfall - Faszinierendes Cs-137

kszeifert 2 Apr, 2012 09:00

Das faszinierend blau leuchtende Cäsium 137 führte 1987 in Goiânia/Brasilien zu einem ernsten Atomunfall!

Der Goiânia-Unfall ereignete sich 1987, als in der brasilianischen Stadt Goiânia radioaktives Material gestohlen und von den Dieben unter Freunden und Bekannten verteilt wurde. Als Folge starben vier Personen. Teile der Stadt sind bis heute radioaktiv belastet. Der Unfall wurde auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) mit Stufe 5 eingestuft. als ein ernster Unfall mit einer begrenzten Freisetzung von einigen 100 bis einigen 1.000 TBq. Beim Goiânia-Unfall  entwichen ca. 44 TBq an Aktivität.  ...



Goiânia ist die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Goiás. Sie liegt in Zentralbrasilien auf einer Hochebene etwa 750 Meter über dem Meeresspiegel. Sie hat etwa 1,3 Millionen Einwohner, das Gemeindegebiet umfasst etwa 750 Quadratkilometer. Die Entfernung zur Hauptstadt Brasília beträgt etwa 200 Kilometer, zum Wirtschaftszentrum São Paulo sind es 950 Kilometer.  ...

Der Ablauf des Unfalls: Was war passiert:

Zwei Diebe drangen am 13. September 1987 in das Goiânische Institut für Radiotherapie, eine verlassene Klinik in Goiânia, ein und entwendeten dort mit einer Schubkarre ein seit zwei Jahren ausgedientes Strahlentherapiegerät, weil sie das Metall für wertvoll hielten. Sie öffneten das Gerät teilweise in einem Hinterhof und erlitten Verbrennungen durch Betastrahlen. Da sie nicht in der Lage waren, das Gerät weiter auseinanderzubauen, verkauften sie es an einen Schrotthändler, um aus dem Altmetall Profit zu schlagen.

Beim Zerlegen des Geräts öffnete dieser den Bleibehälter mit dem radioaktiven Cäsium-137, sodass dieses aus dem Gerät entweichen konnte. Das in der Dunkelheit blau leuchtende Pulver, das normalem Kochsalz stark ähnelt, faszinierte den Schrotthändler, sodass er es mit nach Hause nahm und es an Familienmitglieder und Bekannte weitergab. Der Schrotthändler wollte seiner Frau aus dem blau leuchtenden Material einen Armreif fertigen. Da das Salz die Luftfeuchtigkeit anzieht, haftet es leicht an Körper und Kleidung und vereinfacht die Verbreitung.


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Der radiologische Unfall in Goiânia erzeugt 13 Tonnen Atommüll, die in zwei Gräben begraben wurden 30 Meter tief mit Beton ausgekleidet und mit Erde bedeckt in den State Park Telma Ortegal in Goiania. (Foto: Google Maps)



Schaden für die Stadt

Trotz des gewaltigen Aufwands, der für die Dekontamination betrieben wurde, werden auch heute noch in einigen der damals betroffenen Straßenzüge und Plätze erhöhte Strahlendosiswerte gemessen. Der Unfall hatte daher für die Stadt und Region Goiânia auch wirtschaftlich gravierende Folgen.


  • 85 kontaminierte Häuser, davon 41 evakuiert und 7 abgerissen

  • 112.800 Personen wurden untersucht, 249 davon waren kontaminiert, 49 wurden interniert, 21 intensiv, davon vier Todesfälle (siehe oben).

  • Insgesamt 13,4 Tonnen Atomabfall, 3.500 Kubikmeter, wurden in Fässer verpackt und schließlich einige Jahre später in ein betoniertes "Endlager" vergraben, das ganz im George Orwellschen Stil Landesnaturschutzgebiet "Parque Estadual Telma Ortegal" genannt wurde. Der insgesamt 150 Hektar große 1995 gegründete "Naturpark" besteht offiziell aus einer Naturschutzzone von nur 4,99 Hektar. Der erheblich größere Rest ist faktisch Atommülldeponie. Die 14 Containern müssen mindestens für 180 Jahre sicher gelagert werden

  • Sämtlicher Inhalt der abgerissenen Häuser wurde auf Kontamination untersucht und bei bestätigter Kontamination (und großem persönlichem Wert) gereinigt und zurückgegeben, um den psychologischen Schaden zu verringern.

  • Sämtliche kontaminierte Häuser wurden mit speziellen Staubsaugern gereinigt. Dächer, Wände und Decken wurden abgekratzt und neu gestrichen, zwei Dächer mussten komplett ersetzt werden.

Konsequenzen: Die drei Ärzte, denen das verlassene Krankenhaus gehörte, wurden der groben Fahrlässigkeit angeklagt. Seitdem sind Inventarlisten Pflicht.


Quelle: Die obige Beschreibung stammt aus dem Wikipedia-Artikel: "Goiânia-Unfall" , lizenziert gemäß CC-BY-SA. Eine vollständige Liste der Autoren befindet sich hier


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