Für genau passende Schuhe

Das Pedoskop

Karl-Heinz Szeifert 5 Nov, 2018 00:00

Das Pedoskop war einst die Attraktion in den Schuhgeschäften. Mit Röntgenstrahlen wurde im Pedoskop der Sitz der Schuhe an den Füssen getestet.

Wer bis 1965 geboren wurde, hatte gute Chancen, in besseren Schuhgeschäften ein "Schuh-Durchleuchtungsgerät" (Pedoskop) in Aktion erleben zu dürfen. Damit ließen sich direkt im Geschäft - und unter Verzicht auf Kleinigkeiten wie Strahlenschutz - Füße in Schuhen röntgen und direkt betrachten.

Rund 40 Jahre lang galt dieser technischer Apparat als schier unverzichtbar für den Kauf von Schuhen. In der Zeit von 1920 bis 1960 kam kein gehobenes Schuhgeschäft ohne ein Pedoskop aus.

Mithilfe der Schuh-Röntgen-Apparate überprüften Verkäufer die Passgenauigkeit der Schuhe und erbrachten den bildlichen Beweis, wie der Fuß im Schuh saß. Vor allem Kinderfüße kamen in den zweifelhaften Röntgen-Genuss, um den Nachwuchs nicht etwa in zu enge Fußbekleidung zu zwängen. "Das haben die damals vor allem bei Kinderschuhen gemacht, und bei Babyschuhen immer", erzählten manche Mütter heute noch ihren Kindern. "Ihr Kleinen konntet ja nicht sagen, wo es drückt."


Das Pedoskop (rechts im Bild) durfte früher in keinem angesehenen Schuhgeschäft fehlen.


Die in den Schuhgeschäften eingesetzten Pedoskope dienten der Verkaufsförderung insbesondere mit Blick auf den Schuhkauf für Kinder. Die Geräte waren deshalb zumeist mit drei Okularen ausgestattet, sodass Eltern und Verkaufspersonal gleichzeitig mit dem Kind den Sitz der Schuhe überprüfen konnten. Für die durch den Einsatz dieser Geräte zu garantierende Passgenauigkeit wurde zum einen mit Gesundheitsargumenten geworben. Zum anderen war es in Zeiten wirtschaftlicher Notlagen für viele Eltern wichtig, sicherzustellen, dass die für ihre Kinder gekauften Schuhe passten. Zum Teil warben Schuhgeschäfte auch damit, dass man kostenlos überprüfen könne, ob getragene Schuhe noch passen. Die Kunden und das Verkaufspersonal waren dabei unkontrolliert der Röntgenstrahlung ausgesetzt.

Die Geräte standen noch bis in die 1960er Jahre in den Schuhgeschäften, obwohl schon sehr früh nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen medizinische Erkenntnisse über die gesundheitlichen Gefahren vorlagen und der Einsatz von Pedoskopen in Fachkreisen kritisiert wurde.

Eine regionale Studie der Gewerbeaufsicht in Detroit ergab 1948, dass die Geräte 30–40 R/min (in aktuellen Einheiten 4–6 mGy/s) abgaben. Die tägliche Dosis der Mitarbeiter über Streustrahlung wurde auf 0,1 R (0,9 mGy) geschätzt. Andere Untersuchungen ergaben noch höhere Dosen, insbesondere gefährlich für langjährige Schuhverkäufer. Ein Fall einer schweren Verbrennung und Amputation bei einer Schuhvorführerin wurde 1950 veröffentlicht.

1946 begrenzte die American Standards Association in ihren Sicherheitsrichtlinien die Strahlendosis der Pedoskope, und etwa gleichzeitig warnten auch amerikanische medizinische Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden. Betriebsverbote folgten allerdings erst deutlich später, in Deutschland mit der Röntgenverordnung 1973. Das letzte aktive Pedoskop in der Schweiz wurde jedoch erst 1989 abgeschaltet.


Zur Röhrentechnik der Pedoskope:

Ca. 50 kV bei 2-8 mA und 1mm Al Filter
Dosisleistung in Höhe der Füße: 200-750 mSv/min!

Dies entspricht der 20-fachen effektiven Dosis einer Thoraxübersicht!

Wenn man zudem bedenkt, dass die maximale Jahredosis beruflich exponierter Personen aktuell bei 20 mSv/Jahr liegt, wird klar, das war eine ganz schön gefährliche Sache.....


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Hier ein unbedingt hörenswerter Beitrag vom SWR zumThema Pedoskop mit dem Titel:

Schuhkauf im Röntgenlicht und die Irrwege des Pedoskops.


Auch für das nachstehende Video gilt! Unbedingt ansehen!


Quellen:

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Kommentare

Wilhelm Trottenberg vor 6 Jahre

Ich selber, Jahrgang 1942, konnte in den sechziger Jahren in unserem kleinstädtischen Schuhgeschäft ohne Probleme dieses Gerät selber benutzen. Die Verkäufer hatten keine Einwände, wenn wir als Kinder auf dem Nachhauseweg von der Schule mal schnell unsere durchleuchteten Füße betrachteten. Nun ist mir nicht bekannt, ob dieser wie man jetzt weis, erhebliche Leichtsinn nicht auch Folgeschäden hat. Ich selber habe z.B. an beiden Füßen die Zehennägel total beschädigt. Vor ca. 20 Jahren etwa hat man in einer Klinik alle 10 Nägel wegen Verdacht auf Fußpilz entfernt, was aber zu keinem Erfolg führte. Nach wie vor sind alle Nägel bis ins Nagelbett unterhöhlt.Bei mir bestand schon immer der Verdacht, dass dieser jugendliche Leichtsinn die Ursache der bis heute bestehenden Schäden war. Eine Bestätigung habe ich bis heute nicht erhalten.