Das kleine Mädchen und ihr Minihops

kszeifert 1 Jan, 2017 10:30

Minihops, oder die wahre Geschichte einer extrem ängstlichen 5-jährigen Dame, die mal MTA-R werden will!

Ein 5-jähriges Mädchen kam in die Notfallambulanz mit Verdacht auf Grünholzfraktur am distalen Radius und sollte geröntgt werden.

Als ich es aufrief klammerte sie sich verzweifelt und panisch vor Angst an ihre Mutter.
Es war gerade nicht viel los – also nahm ich mir viel Zeit und versuchte mit dem Kind ein lockeres Gespräch zu führen und ihm dabei die offensichtliche Angst vor dem was kommen würde zu nehmen. Die Mutter bat ich, sich aus dem Gespräch komplett herauszuhalten. Zureden und erklären half aber erstmal nicht viel. Nach wie vor klettete sich das Kind an seine Mutter.

Nach einiger Zeit entdeckte ich zwischen Mutter und Kind eingeklemmt ein Kuscheltier. Vielleicht konnte ich damit punkten. Also fragte ich, wie das Kuscheltier denn hieße und ob es eventuell auch Schmerzen hätte.

Schluchzend und unverständlich stammelte sie dann nach einiger Zeit den Namen ihres kuscheligen Begleiters heraus – nach mehrfachem Nachfragen verstand ich es dann auch: Es hieß Minihops.

Wir einigten uns, dass auch Minihops Schmerzen habe, und so schlug ich ihr vor, doch zuerst mal ihren treuen Begleiter zu röntgen, damit sie sieht, dass da gar nichts schlimmes passiert. Nach etwas zögern rückte sie Minihops heraus und ich legte ihn immer noch unter skeptischer und ängstlicher Beobachtung des Mädchens auf eine Kassette unter die Röntgenröhre.

Dem Mädchen erklärte ich jeden Schritt den ich tat und ging mit ihr – immer noch an der Mutter klebend - zum Schaltpult, löste den Schuss aus, ging zum Auslesegerät und ließ die Kleine zuswehen, wie das Bild aufgebaut wurde. So langsam merkte ich wie sie langsam auftaute. Jedenfalls ließ das Geschluchze erheblich nach und der Klammergriff zur Mutter löste sich auch schon merklich. Wir besprachen das Bild von Minihops und stellten fest, dass das Kuscheltier keinerlei Brüche oder sonstige ernsthafte Erkrankungen habe!

So - jetzt war es Zeit, mal an die Röntgenaufnahme des Handgelenks des Mädchens zu denken. Ich appellierte an die Ehre des Kindes und erklärteihr, dass Minihopps sich ja auch ohne Murren hat röntgen lassen. Man merkte jetzt richtig wie das Kind zwischen Angst und Neugier schwankte. Schließlich siegte dann doch die Neugier.

Sie folgte mir an meiner Hand zum Röntgentisch. Da bei Minihops alle den Raum verlassen hatten, war es jetzt auch nicht mehr schwer das Mädchen kurz zum Auslösen der Aufnahme alleine zu lassen. Nach dem ersten Bild fing sie sofort an zu lächeln, das zweite Bild war dann total problemlos anzufertigen. Sie durfte jetzt natürlich auch mit ansehen, wie die Bilder ihres Unterarms am Auslesegerät entstanden. Sie hatte tatsächlich eine Grünholzfraktur.

Jetzt war sie aufgetaut und lief mir überall nach, stellte Fragen und als ich sie und ihre Mutter wieder in die Ambulanz schicken wollte, meinte sie, ob wir denn nicht noch ein paar Aufnahmen von ihr und Minihops machen könnten!

Naja- das ging natürlich nicht. Ich bereitete sie dann auch schon mal darauf vor, dass sie jetzt eine Gipsverband bekäme und auch das wäre ja höchst interessant und täte genau so wenig weh wie das Röntgen!
Ok, gesagt getan, das Mädchen lief an meiner Hand in die Ambulanz und freute sich riesig auf den Cast! Ihre Mutter die hinterher lief war mittlerweile nur noch Nebensache.

Als ich mich später nach der Castanlage von ihr verabschiedete und ihr alles Gute wünschte, bemerkte sie noch, dass sie später auf alle Fälle auch mal so einen Beruf haben und Röntgenbilder machen wolle!

Das Bild von Minihops habe ich ihr später als .jpg-Datei an die eMail-Adresse der Mutter nach Hause geschickt!

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Kommentare

Bianca vor 4 Monate

gut gemacht!!!
Unser Beruf wird nicht aussterben.