Wie hoch ist die Strahlenbelastung beim Fliegen?
Viele Menschen reisen – privat oder geschäftlich – mit dem Flugzeug. Diese fliegen oft in Höhen und geografischen Breiten, in denen deutlich mehr Höhenstrahlung auf den Menschen einwirkt als am Boden. Die Energie dieser Strahlung ist so hoch, dass man sie nicht abschirmen kann. Wie kommt es zu dieser Strahlenexposition?
Die Erde ist ständig einem Strom von hochenergetischen Teilchen ausgesetzt, die aus den Tiefen des Kosmos stammen. In der Erdatmosphäre reagieren diese Teilchen mit den Bestandteilen der Luft und erzeugen dabei die so genannte “Höhenstrahlung”. Auf ihrem Weg zur Erdoberfläche wird die Höhenstrahlung mit zunehmender Dichte der Atmosphäre schwächer. Einen Schutz vor der Höhenstrahlung liefert der von der Sonnenaktivität ausgehende, so genannte “Sonnenwind”, der einen Teil der kosmischen Strahlung von unserem Sonnensystem ablenkt. Diese Sonnenaktivität ändert sich periodisch in einem Zyklus von etwa elf Jahren. Je größer die Sonnenaktivität ist, desto geringer ist die Höhenstrahlung, weil dann weniger kosmische Strahlung die Erdatmosphäre erreicht und umgekehrt. Zurzeit befindet sich die Sonnenaktivität im Minimum, deshalb erreicht die Höhenstrahlung besonders hohe Werte. Auch das Magnetfeld der Erde lenkt einen Teil der kosmischen Strahlung ab. Diese Abschirmung wirkt am stärksten am Äquator. In den nördlichen und südlichen Polregionen ist der Schutz hingegen am schwächsten. Das Ausmaß der Höhenstrahlung, der man beim Fliegen ausgesetzt ist, hängt somit vor allem von der Sonnenaktivität, der Flugroute, der Flughöhe und der Flugdauer ab.
Um die Höhe der zusätzlichen Strahlenexposition durch das Fliegen bewerten zu können, ist es sinnvoll, die effektive Dosis, die bei einem Flug entsteht, mit der natürlichen Strahlenexposition zu vergleichen, der die Menschen am Boden ständig ausgesetzt sind. Am Boden ist der Mensch neben dem die Erdoberfläche erreichenden Teil der Höhenstrahlung auch der Strahlung natürlicher radioaktiver Stoffe ausgesetzt; diese kommt hauptsächlich aus dem Bodengestein der Erdkruste. In Deutschland beträgt die gesamte effektive Dosis aus dieser natürlichen Strahlenexposition im Mittel etwa 2.100 Mikrosievert (µSv) pro Jahr. Je nach Aufenthaltsort schwankt der tatsächliche Wert zwischen etwa 1.000 und 6.000 µSv pro Jahr. Ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück führt zu einer effektiven Dosis von circa 75 bis 150 µSv. Durch eine solche Transatlantikreise erhöht sich die mittlere jährliche Strahlenexposition also um circa fünf Prozent.
Für Gelegenheitsflieger, wie es die meisten Urlaubsflieger sind, ist die zusätzliche Strahlenexposition durch das Fliegen sehr gering und gesundheitlich unbedenklich; das gilt auch für Schwangere und Kleinkinder. Da jedoch während eines Fluges auch andere Stressfaktoren auf Schwangere einwirken (zum Beispiel beengendes Sitzen, Lärm, Vibrationen, Zeitverschiebung), sollten während der Schwangerschaft häufige Flugreisen und insbesondere Langstreckenflüge aus rein vorsorglichen Gründen vermieden werden.
Piloten, flugbegleitendes Personal oder berufliche “Vielflieger” können, vor allem wenn sie häufig Langstrecken auf den nördlichen Polrouten fliegen, Strahlendosen erhalten, die durchaus vergleichbar sind mit Dosiswerten in Berufsgruppen, die ionisierende Strahlung einsetzen oder die mit radioaktiven Quellen umgehen. Die neue Strahlenschutzverordnung verlangt deshalb seit August 2003 für das fliegende Personal die gleiche Strahlenschutzüberwachung wie für allen anderen beruflich strahlenexponierten Personen. Diese Überwachung wird vom Strahlenschutzregister in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrt-Bundesamt durchgeführt.
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz BfS